In Hongkong haben sich regierungskritische Demonstrantinnen und Demonstranten auf öffentlichen Plätzen und in einem Einkaufszentrum zum Generalstreik versammelt. Wie die Organisatoren mitteilten, wollten mindestens 24.000 Menschen ihre Arbeit niederlegen. Demonstrierende blockierten Gleise und Bahnhöfe. Bahn- und Busdienste wurden eingestellt. Auf den Straßen bildeten sich lange Staus. Am Flughafen von Hongkong wurden 200 Flüge gestrichen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wurden 82 Menschen festgenommen.

Im Stadtteil Wong Tai Sin hatten Hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten eine Straße blockiert, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Blockade aufzulösen.

Auf einer Pressekonferenz vor Beginn des Generalstreiks hatte Regierungschefin Lam die anhaltende Gewalt bei den Demonstrationen verurteilt. Die Proteste hätten "die Stadt an den Rand einer sehr gefährlichen Situation gebracht", sagte sie und wiederholte damit die Aussage einer Regierungserklärung, die zuvor veröffentlicht worden war. Darin heißt es, die Gewalt und illegalen Proteste brächten Hongkong an eine "extrem gefährliche" Grenze. Lam versicherte, dass die Regierung entschlossen sei, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten und das Vertrauen wiederherzustellen.

Nach eigenen Angaben nahm die Hongkonger Polizei seit Anfang Juni 420 Demonstrantinnen und Demonstranten fest. Ihnen wurden unter anderem Ausschreitungen, gesetzeswidrige Versammlung, der Besitz von Angriffswaffen, Angriffe auf Beamte und Störung von Polizeieinsätzen vorgeworfen. Laut einer Sprecherin haben Polizisten mehr als 300 nicht tödliche Geschosse und etwa 1.000 Tränengasgranaten abgefeuert. Protestteilnehmer hätten Benzinbomben und Feuer eingesetzt. Laut der Polizei wurden 139 Beamte bei Auseinandersetzungen verletzt, von denen sich zwei noch im Krankenhaus befinden.

Die Demonstrierenden fürchten um ihre Freiheitsrechte

In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong kommt es seit einigen Monaten immer wieder zu größeren Protestaktionen. Ursprünglich ausgelöst wurden sie durch ein Gesetzesvorhaben, das Auslieferungen von Beschuldigten an China ermöglicht hätte. Lam hat das Vorhaben inzwischen zwar für "tot" erklärt, die Demonstrationen entwickelten sich aber zu einer breiteren Bewegung.

Die Kundgebungen richten sich jetzt auch gegen Regierungschefin Lam selbst, der Kritikerinnen und Kritiker eine zu große Nähe zu Chinas Regierung vorwerfen. Die Demonstrantinnen und Demonstranten fürchten um ihre Freiheitsrechte, die der früheren britischen Kronkolonie nach der Übergabe an China 1997 eingeräumt wurden, und fordern mehr Demokratie.