US-Präsident Donald Trump hat angesichts der Krise in Hongkong ein persönliches Treffen mit Chinas Präsidenten Xi Jinping ins Spiel gebracht. Er habe keine Zweifel, dass Xi die Krise in Hongkong "schnell und menschlich" lösen könne, schrieb Trump auf Twitter. "Persönliches Treffen?" schrieb er weiter. Er deutete an, dass es vorher keine Handelsgespräche mit China geben werde: "Natürlich will China einen Deal machen. Lasst sie erst mal human mit Hongkong umgehen!"

Trump hatte am Dienstag gesagt, er sei von US-Geheimdiensten informiert worden, dass Chinas Militär Truppen an der Grenze zu Hongkong zusammenziehe. Chinesische Staatsmedien bestätigten das: Die Volksbefreiungsarmee habe zahlreiche Militärfahrzeuge zu "Übungszwecken" in die südchinesische Metropole Shenzhen an der Grenze zu Hongkong entsandt. Ein Sprecher des US-Außenministeriums zeigte sich darüber "zutiefst besorgt" und forderte China "nachdrücklich" auf, das "hohe Maß an Autonomie" Hongkongs zu respektieren.

Protestbewegung - China stationiert Truppen an Grenze zu Hongkong In Hongkong ist es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei gekommen. China forderte, dass die Protestierenden stärker bestraft werden. © Foto: Sebastian Wells/​OSTKREUZ

Seit Wochen protestieren Demokratieaktivisten in der chinesischen Sonderverwaltungszone gegen die pekingtreue Regierung, es kam zuletzt vermehrt zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Der US-Präsident hat sich bisher kaum dazu geäußert, außer um klar zu machen, dass Hongkong und China "selbst damit umgehen müssen". Er hatte beide Seiten dazu aufgerufen, mit Vorsicht zu handeln, und Hoffnung geäußert, die Situation werde sich friedlich lösen.

Kritik an Trumps bisheriger Zurückhaltung

Für seine Zurückhaltung war Trump innenpolitisch zunehmend kritisiert worden. Die Demokratin Nancy Pelosi, Vorsitzende des Repräsentantenhauses, hatte ihn am Dienstag aufgefordert, seine bisherigen Äußerungen zurückzunehmen und sich für Frieden und Demokratie in Hongkong einzusetzen. Trumps Kommentare am Mittwoch folgten auf fallende Aktienkurse an der US-Börse, die auf Unsicherheiten wegen des Handelskonfliktes und wegen der Proteste in Hongkong zurückgehen.

Die beiden Präsidenten waren zuletzt im Juni beim G-20 Gipfel in Osaka zusammengetroffen, wo sie unter anderem über den bitteren Handelskonflikt der beiden Nationen sprachen.

Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit der Rückgabe 1997 an China als eigenes Territorium autonom regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die Hongkonger das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Diese Rechte sehen viele nun in Gefahr.