Hongkong - Massenproteste gegen die prochinesische Regierung In Hongkong haben erneut Tausende Menschen gegen die Regierung von Carrie Lam demonstriert. Für Montag haben Oppositionelle zum Generalstreik aufgerufen. © Foto: Isaac Lawrence/​AFP/​Getty Images

In Hongkong haben erneut Zehntausende Menschen gegen die Regierung protestiert. Ein friedlicher Protestmarsch zog durch den Stadtteil Mongkok, ein Teil der Demonstranten zog aber über den vorgeschriebenen Endpunkt ihrer Kundgebung hinaus weiter, behinderte den Verkehr und bekräftigte in Sprechchören einen Streikaufruf für Montag.

Demonstrierende errichteten am Abend (Ortszeit) Barrikaden, rissen Pflastersteine heraus und besetzten Straßen. Auch Tausende Beamte und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes hatten sich mit einer Kundgebung den Protesten angeschlossen. In einem anderen Teil der Stadt versammelten sich Tausende Gegendemonstranten, die ihre Unterstützung für die Arbeit der Polizei bekundeten.

Die Polizei hatte gewarnt, wer die festgelegte Demonstrationsroute verlasse, verstoße gegen das Gesetz. Nicht genehmigte Demonstrationen würden aufgelöst. Polizisten gingen mit Tränengas und Schlagstöcken gegen Demonstranten vor, die sich vor einer Polizeiwache im bei Touristen beliebten Viertel Tsim Sha Tsui versammelt hatten, wie AFP-Reporter berichteten. Mit Reizgas versuchten die Polizisten, den Protest aufzulösen.

Eine Gruppe der Protestierenden erreichte am Ufer des Victoria Harbour mehrere Fahnenmasten, an denen die Flaggen Hongkongs und Chinas wehten, wie Reporter berichteten. Einer der Demonstranten erklomm den Mast und brachte die chinesische Fahne mit herunter. Nach einer Debatte, ob man das Fahnentuch schwarz anmalen solle, entschied die Gruppe, die Flagge ins Meer zu werfen, bevor die Polizei eingreifen könne.

Wiederholt Zusammenstöße zwischen Demonstrierenden und der Polizei

In Hongkong gibt es seit fast zwei Monaten immer wieder Märsche und Kundgebungen mit Hunderttausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Auslöser ist ein umstrittener Gesetzentwurf zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China. Wiederholt kam es bei den Demonstrationen zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Mehrere Aktivisten waren Ende Juli festgenommen worden

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam hat das Gesetz mittlerweile zwar für tot erklärt. Seitdem hat sich der Protest aber zu einer breiteren Bewegung gegen die Regierung und die Polizei entwickelt, der ein zu hartes Vorgehen gegen die Demonstrierenden vorgeworfen wird.

Viele Menschen in Hongkong befürchten einen steigenden Einfluss der Zentralregierung in Peking und fordern demokratische Reformen. In einem Video ihrer Hongkonger Garnison warnte die chinesische Volksbefreiungsarmee, sie habe alle Möglichkeiten, um die Sicherheit in der Sonderverwaltungszone und Chinas "nationale Souveränität" aufrechtzuerhalten.

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" als eigenes Territorium autonom regiert. Anders als die Menschen in der Volksrepublik genießen die Hongkonger das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit.