Hongkong - Sitzstreik im Flughafen von Hongkong Hunderte regierungskritische Demonstranten verteilen am Flughafen in Hongkong Flyer an Reisende. Sie sprechen von Tyrannei und wollen mehrere Tage protestieren. © Foto: Vincent Thian

Hunderte Demokratieaktivisten haben am Freitag an einem Sitzstreik im internationalen Flughafen von Hongkong teilgenommen. Die zum Teil maskierten und mit Helmen ausgestatteten Demonstranten riefen Sprechchöre wie "Keine Randalierer, nur Tyrannei". Auf ihren Schildern standen in mehreren Sprachen Sätze wie "Fragen Sie mich zu Hongkong" oder "Retten Sie Hongkong vor Tyrannei und Polizeigewalt". Mit Blick auf die Reisenden am Flughafen sagte eine Demonstrantin: "Wir wollen mehr Leute wissen lassen, was in Hongkong passiert."

Der Protest soll drei Tage lang dauern. Zusätzlich hat die Demokratiebewegung für das ganze Wochenende über die Stadt verteilt weitere Aktionen angekündigt. Der Flughafensitzstreik wurde in Onlinenetzwerken mit einer nachgemachten Bordkarte angekündigt, auf der "HK in die Freiheit" stand. Er wurde nicht genehmigt, aber eine ähnliche Aktion Ende Juli verlief friedlich und ohne Störung des Flugbetriebs. Ankommende Passagiere schienen beim Anblick des Sitzstreiks irritiert, einige machten Fotos und ließen sich Flugblätter reichen.

Polizeichef aus Ruhestand geholt

In Hongkong kommt es seit zwei Monaten immer wieder zu Protesten und Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Einen Höhepunkt erreichten sie am vergangenen Montag mit einem Generalstreik, bei dem es erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei kam, die Tränengas und Schlagstöcke einsetzte. Tags darauf hatte ein Regierungsvertreter die Protestierenden sehr deutlich gewarnt: "Wer mit dem Feuer spielt, kommt darin um", sagte Yang Guang, Sprecher des für die chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau zuständigen Büros des Staatsrats.

Die anhaltenden Proteste werden immer mehr zu einem Problem des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, wurde der ehemalige Polizeichef Hongkongs Alan Lau Yip Shing aus dem Ruhestand geholt. Er habe 2014 die Einsätze gegen prodemokratische Kundgebungen geleitet und solle nun nach Angaben zweier hochrangiger Sicherheitsbeamten helfen, die Einsätze gegen Protestierer zu koordinieren. 

Auslöser für die Demonstrationen war ein Gesetzentwurf zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China. Regierungschefin Carrie Lam hat das Gesetz mittlerweile zwar für "tot" erklärt. Die Demonstrationen haben sich aber zu einer breiteren Bewegung gegen die Regierung und das harte Vorgehen der Polizei entwickelt. Viele Menschen befürchten zudem zunehmenden Einfluss Pekings und fordern demokratische Reformen.

Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" als eigenes Territorium autonom regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die Hongkonger das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit.