Hongkong - "Diese Aktionen stellen unsere nationale Souveränität infrage" Zu Beginn eines Generalstreiks in Hongkong haben Demonstrierende Gleise und Bahnhöfe blockiert. Regierungschefin Carrie Lam warnte vor gefährlichen Folgen. © Foto: Anthony Kwan/Getty Images

Kurz vor einem angekündigten Generalstreik haben Hunderte maskierte und schwarz gekleidete Protestler in Hongkong ein Verkehrschaos ausgelöst. Nach Angaben der Polizei blockierten sie Straßen, entzündeten Feuer übersprühten Ampeln mit Farbe und hinderten Züge am Verlassen der Bahnhöfe. Die U-Bahngesellschaft stellte den Betrieb deswegen teilweise ein. Zudem wurden am Flughafen der Metropole mehr als 100 Flüge gestrichen.

Die Polizei der chinesischen Sonderverwaltungszone nahm nach eigenen Aussagen 44 Personen fest. Sie habe Tränengas eingesetzt, um die Proteste aufzulösen, heißt es weiter.

Auf einer Pressekonferenz verurteilte Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam die anhaltende Gewalt bei den Demonstrationen. Die Proteste hätten "die Stadt an den Rand einer sehr gefährlichen Situation gebracht", sagte sie und wiederholte damit die Aussage einer Regierungserklärung, die zuvor veröffentlicht worden war. Darin heißt es, die Gewalt und illegalen Proteste brächten Hongkong an eine "extrem gefährliche" Grenze.

Lam warnte zudem, dass die Regierung entschlossen sei, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten und das Vertrauen wiederherzustellen. Es sei nun Zeit, Differenzen aufzuheben und "sich zu versammeln". Sie habe nicht die Absicht, zurückzutreten. Als Regierungschefin, so Lam, habe sie die Verantwortung übernommen und sei entschlossen, die Probleme gelöst zu sehen.

Hongkong - Massenproteste gegen die prochinesische Regierung In Hongkong haben erneut Tausende Menschen gegen die Regierung von Carrie Lam demonstriert. Für Montag haben Oppositionelle zum Generalstreik aufgerufen. © Foto: Isaac Lawrence/​AFP/​Getty Images

An diesem Montag sind in Hongkong ein Generalstreik und weitere Demonstrationen in insgesamt acht Bezirken angekündigt. Sie sollen den Protesten vom Wochenende folgen, bei denen es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen war. Nach Aussagen der Organisatoren wollen sich mindestens 24.000 Menschen aus 20 Sektoren daran beteiligen.

In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong kommt es seit einigen Monaten immer wieder zu größeren Protestaktionen. Ursprünglich ausgelöst wurden sie durch ein Gesetzvorhaben, das Auslieferungen von Beschuldigten an China ermöglicht hätte. Lam erklärte das Vorhaben zwar inzwischen als "tot". Die Demonstrationen entwickelten sich aber inzwischen zu einer breiteren Bewegung.

Die Kundgebungen richten sich auch gegen Regierungschefin Lam, der Kritiker eine zu große Nähe zur Regierung in Peking vorwerfen. Die Demonstranten fürchten außerdem um ihre Freiheitsrechte, die der früheren britischen Kronkolonie nach der Übergabe an China 1997 eingeräumt wurden, und fordern mehr Demokratie.