Der Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Wortbruch vorgeworfen. Kurz habe ihm "zugesichert und das Wort gegeben", dass er die rechtskonservative Regierung fortsetzen werde, sollte Strache als Vizekanzler zurücktreten. Das sagte Strache dem deutschen Ableger von Russia Today. Es war sein erstes TV-Interview seit der Veröffentlichung des Ibiza-Videos.

Strache machte zudem deutlich, dass er in der folgenreichen Nacht auf Ibiza keine Drogen konsumiert habe, wie dies von einigen Medien spekuliert wurde. "Ich habe Zeit meines Lebens mit illegalen Drogen nichts zu tun gehabt", so Strache. Auch von anderen seien bei dem Treffen auf Ibiza keine Drogen konsumiert worden. "Hätte ich das gesehen, wäre ich aufgestanden und gegangen, spätestens dann."

Das am 17. Mai von Spiegel und Süddeutscher Zeitung veröffentlichte Video hatte in Österreich eine Regierungskrise ausgelöst, bei der zunächst Strache zurücktrat. Danach musste auch Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) sein Amt niederlegen. Zum Entstehungszeitpunkt des Videos war er Generalsekretär der FPÖ gewesen. Die Forderung nach Kickls Rücktritt habe der frühere Bundeskanzler Sebastian Kurz erst nach dem Rücktritt Straches aufgestellt.

Das Ibiza-Video zeigt, wie sich der damalige FPÖ-Chef auf der Baleareninsel mit einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte über möglicherweise illegale Parteispenden und Formen der politischen Einflussnahme unterhält. Nach den Rücktritten Straches und Kickls traten sämtlichen FPÖ-Minister aus Solidarität zurück. Kurz und die ÖVP-Minister wurden per Misstrauensvotum des Parlaments aus ihren Ämtern gedrängt. Seitdem wird Österreich von einer Expertenregierung mit Übergangskanzlerin Brigitte Bierlein geführt. Am 29. September finden Neuwahlen statt.