Eine der Schlüsselfiguren in der sogenannten Ibiza-Affäre hat nach eigenen Angaben zeitweilig verdeckt für eine Sicherheitsbehörde gearbeitet. Der Österreicher Julian H. räumt laut Welt in einer eidesstattlichen Versicherung ein, eine Operation "für eine Behörde durchgeführt" zu haben. In dem rund siebenstündigen Video, das im Juli 2017 in einer Villa auf Ibiza aufgenommen wurde, taucht Julian H. als vermeintlicher Berater einer vermeintlichen russischstämmigen Oligarchennichte auf.

Unklar ist, ob es sich bei der Sicherheitsbehörde, für die H. nach eigenen Angaben arbeitete, um einen Geheimdienst oder eine Polizeibehörde handelt und wie lange die Kooperation andauerte. Eine Anfrage der Welt ließ H.s Anwalt unbeantwortet. Verschiedentlich hatten Politiker wie der Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble darüber spekuliert, ob Geheimdienste in die Ibiza-Affäre involviert gewesen sein könnten. Die Falle "rieche nach Geheimdiensten", so der CDU-Politiker. Die Affäre hatte im Mai zum Ende der Regierungskoalition in Wien geführt.

Auf dem Video ist zu sehen, wie der damalige FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache sowie der damalige FPÖ-Fraktionschef Johann Gudenus staatliche Aufträge für den Fall in Aussicht stellen, dass die vermeintlich schwerreiche Frau Geld an die FPÖ spende; auch ist vom Kauf der Boulevardzeitung Krone die Rede, die anschließend auf Linie der Rechtspopulisten gebracht werden solle.   

Laut eines Gedächtnisprotokolls von Gudenus soll Julian H. in der Affäre als "Julian Thaler" aufgetreten sein. Gudenus und H. hielten demnach noch Monate nach dem Treffen Kontakt. 

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt sowohl gegen Strache und Gudenus als auch gegen Julian H. und seinen mutmaßlichen Komplizen, den Wiener Anwalt Ramin M., der seine Beteiligung mittlerweile eingeräumt und behauptet hat, es habe sich um ein "zivilgesellschaftlich motiviertes Projekt, bei dem investigativ-journalistische Wege beschritten wurden", gehandelt. Mit dem Video wurde sichtbar, dass die FPÖ-Politiker ohne Skrupel bereit waren, schmierige und möglicherweise illegale Geschäfte zu diskutieren. Bis heute sind die genauen Hintergründe der Affäre, die die Regierung sprengte und zu Straches und Gudenus' Rücktritten führte, unklar. Im September finden in Österreich Neuwahlen statt.

Die Welt beruft sich auf eine eidesstattliche Versicherung aus dem Mai, die Julian H. dem Landgericht Berlin im Zuge einer gerichtlichen Auseinandersetzung vorgelegt hat. In einem weiteren Schreiben an das Gericht bestätigt auch H.s Anwalt Johannes Eisenberg, dass sein Mandant zeitweilig für eine ungenannte Behörde tätig gewesen sei.

Für die Affäre könnte der Umstand, dass H. nach eigenen Angaben zeitweilig für eine Behörde tätig war, von erheblicher Bedeutung sein. Die Wiener Behörden werden nun die Details der von H. behaupteten verdeckten Tätigkeit für eine Sicherheitsbehörde aufklären müssen. Weder das österreichische BKA noch die Staatsanwaltschaft Wien wollten sich gegenüber der Welt äußern.

Hinweis: Der Artikel wurde aus rechtlichen Gründen nachträglich aktualisiert.