Im letzten großen Rebellengebiet in Syrien, in der Provinz Idlib, sind Zehntausende Menschen vor den neuerlichen Kämpfen geflohen. Das örtliche Gesundheitsdirektorat Idlib und die Hilfsorganisation Syrian American Medical Society teilten mit, seit Anfang August seien mehr als 70.000 Menschen von den Angriffen vertrieben worden.

Hilfsorganisationen und Aktivisten warnten vor einer dramatischen humanitären Lage: Die Menschen schliefen in Fahrzeugen oder nächtigten auf freien Feldern.

Auch die Vereinten Nationen teilten mit, man habe Kenntnis von "beunruhigenden Berichten" über immer mehr Vertreibung in der Region. Für April dieses Jahres hatten die UN eine Zahl von 400.000 Vertriebenen veröffentlicht.

Idlib gilt als letzte verbleibende Region, die im syrischen Bürgerkrieg von den Aufständischen kontrolliert wird. Dominiert wird die Region von der Al-Kaida-nahen Miliz Hajat Tahrir al-Scham.

Ende April startete die Offensive der syrischen Regierungstruppen mit russischer Unterstützung auf nördliche Teile der Provinzen Hama und Idlib. Seitdem sind mehr als 2.000 Menschen getötet worden, Hunderttausende flohen weiter in den Norden. Anfang dieser Woche gelang den Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad ein militärischer Erfolg: Die Regierungstruppen eroberten einen Teil der strategisch wichtigen Stadt Chan Scheichun, Rebellen zogen sich zurück.

Hilfsorganisationen zufolge fliehen die Menschen aus dem Süden der Region Idlib in Richtung Norden. Insgesamt leben in dem Rebellengebiet etwa drei Millionen Menschen. Etwa die Hälfte von ihnen wurde bereits aus anderen Gebieten Syriens vertrieben. Die benachbarte Türkei hat aus Sorge vor einem neuen Flüchtlingsandrang ihre Grenze geschlossen.