Russland hat empört auf den Test einer Mittelstreckenrakete durch die USA reagiert. Die Regierung in Washington sei offenbar an einer "Eskalation der militärischen Spannungen" interessiert, sagte der russische Vizeaußenminister Sergej Riabkow der Nachrichtenagentur Tass. Moskau werde sich dadurch aber nicht provozieren lassen. "Wir werden uns nicht in ein kostspieliges Wettrüsten hineinziehen lassen", sagte Riabkow.

Am Sonntag – und damit zwei Wochen nach dem Ende des INF-Abrüstungsvertrags – hatten die USA eine "konventionell konfigurierte" Mittelstreckenrakete getestet. Nach Angaben des Pentagon wurde der landgestützte Marschflugkörper von mehr als 500 Kilometern Reichweite von der San-Nicolas-Insel vor der kalifornischen Küste abgefeuert. Unter den Vorgaben des INF-Vertrags wäre der Raketentest noch verboten gewesen.

China äußerte sich ebenfalls besorgt. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte in Peking, der Test zeige, dass es die USA auf einen neuen Rüstungswettlauf und Konfrontation anlegen würden. Dies könne ernsthafte, negative Auswirkungen auf die regionale und globale Sicherheit haben. Man rate den USA, sich von veralteten Konzepten wie dem Kalten Krieg oder Spielen, bei denen es keinen Sieger geben könne, zu verabschieden und sich bei der Entwicklung von Waffen zurückzuhalten.

1987 war das INF-Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der damaligen Sowjetunion geschlossen worden. Es untersagte beiden Seiten die Produktion, Tests und den Besitz bodengesteuerter ballistischer Raketen und Marschflugkörper mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern. Verboten waren demnach sowohl konventionelle Raketen und solche die mit Atomsprengköpfen bestückt sind.

"Eine direkte militärische Bedrohung für unser Land"

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte diesen Vertrag mit der Begründung aufgekündigt, Russland verletze das Abkommen bereits seit Jahren. Demnach verstößt das Mittelstreckensystem namens SSC-8 (Russisch: 9M729) gegen die Bestimmungen des Vertrags.

Die Regierung in Moskau weist diese Anschuldigungen zurück und bezeichnete die nun von den Amerikanern getesteten Marschflugkörpern als neue Bedrohung. "Egal, wo diese Systeme in Zukunft eingesetzt werden – in Asien, in Europa –, sie werden unser Land erreichen können", sagte der Außenpolitiker Konstantin Kossatschow der Agentur Interfax. "Sie stellen daher eine direkte militärische Bedrohung für unser Land dar." Das habe nicht nur Konsequenzen für die USA, sondern auch für die Länder, die das System künftig bei sich stationierten, drohte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im russischen Oberhaus.

Derzeit ist allerdings noch unklar, wo die neuen Raketen stationiert werden sollen. Laut Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist dies derzeit nicht auf europäischem Boden geplant. Laut US-Verteidigungsminister Mark Esper, der nach der Beendigung des Abkommens die rasche Entwicklung neuer US-Raketensysteme angekündigt hatte, streben die USA aber die rasche Stationierung neuer konventioneller Mittelstreckenraketen in Asien an, um China etwas entgegenzusetzen.