Gibraltar hat den Antrag der USA abgelehnt, einen iranischen Supertanker zu beschlagnahmen. Die Regierung des britischen Territoriums an der Südspitze Spaniens teilte mit, das Schiff dürfe abfahren. Schließlich gebe es in Großbritannien und dem Rest der EU keine Entsprechungen für US-Sanktionen gegen Iran.

"Zwei Expertenteams sind auf dem Weg nach Gibraltar, um das Schiff startklar zu machen", twitterte Hamid Baeidineschad, der iranische Botschafter in London. Iran gehe davon aus, dass der Tanker bereits im Laufe des Sonntagabends auslaufen werde. Das Schiff ist unter dem Namen Grace 1 bekannt geworden, wurde mittlerweile aber in Adrian Darya 1 umbenannt.

Der Tanker hat 2,1 Millionen Barrel iranischen Rohöls an Bord und war am 4. Juli vor der Küste Gibraltars von der britischen Marine gestoppt worden. Nach britischen Angaben sollte das Schiff iranisches Erdöl an Syrien liefern, was gegen EU-Sanktionen verstoßen hätte. Iran wies den Vorwurf zurück.

Die US-Regierung beharrte jedoch darauf, dass das Schiff an illegalen iranischen Lieferungen nach Syrien beteiligt sei. Die Lieferungen werden nach Angaben des Justizministeriums von den iranischen Revolutionsgarden organisiert, die in den USA als Terrororganisation eingestuft werden. Deshalb beantragte ein US-Bundesgericht, das Schiff dauerhaft zu beschlagnahmen.

Dennoch gab das Oberste Gericht Gibraltars die Adrian Darya 1 am Donnerstag wieder frei. Iran hatte zuvor schriftlich versichert, dass die Fracht nicht nach Syrien gebracht werde. Die US-Regierung droht dem Personal an Bord mit Einreiseverboten. Besatzungsmitgliedern von Schiffen, die Revolutionsgarden unterstützten, indem sie iranisches Öl transportierten, kann nach Angaben des US-Außenministeriums das Visum verweigert werden. Die USA wollen außerdem Visa widerrufen, die sie bereits an Besatzungsmitglieder erteilt hatten.

Der Konflikt um den Tanker verschärfte in den vergangenen Wochen die Spannungen zwischen Iran und westlichen Ländern. Zwei Wochen, nachdem die Grace 1 in Gibraltar beschlagnahmt worden war, setzte Iran im Persischen Golf das britische Schiff Stena Impero fest.

Im Hintergrund schwelt der Atomstreit zwischen Iran und den USA. Die USA haben harte Sanktionen gegen Iran verhängt, die vor allem auf den Ölsektor des Landes abzielen. Die Vereinigten Staaten werfen der iranischen Führung vor, Atomwaffen bauen zu wollen. US-Präsident Trump war 2018 im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit Iran ausgestiegen. Der Vertrag soll verhindern, dass Teheran eine Atombombe baut, und zugleich die politische und wirtschaftliche Isolation des Landes beenden.

Seit dem Ausstieg versuchen die USA, ein strengeres Abkommen auszuhandeln, das Iran weniger Freiheiten lässt. Trump will mit massiven Wirtschaftssanktionen Druck auf Teheran ausüben. Bislang widersetzt sich Iran den Forderungen der USA.