Luigi Di Maio, Chef der Fünf-Stern-Bewegung und in Contes Kabinett Wirtschafts- und Arbeitsminister, griff die Vorlage dankbar auf. Er wusste: In den Fünf Sterne-Fraktionen von Kammer und Senat ist Grillos Vorschlag durchaus populär. Auch wenn der Fraktionsvorsitzende im Senat, Stefano Patuanelli, am Dienstag erklärte, "das Einzige, wovor wir keine Angst haben, sind Wahlen". Viele der mehr als 300 Parlamentarier der Bewegung müssen bei den jetzt in Aussicht stehenden 15 bis 17 Prozent tatsächlich um ihre Sessel fürchten. Gerade die führenden Politiker unter ihnen, angefangen bei Di Maio selbst, dürften gar nicht mehr kandidieren. Fünf Sterne billigt seinen Vertretern maximal zwei Legislaturperioden zu.

Um den Plan einer Koalition mit der PD plausibel werden zu lassen, nannte Di Maio vor allem eine Voraussetzung: Die Fünf Sterne fordern eine Verfassungsreform, durch die beide Kammern des Parlaments verkleinert würden. Außerdem müsse der Staatshaushalt 2020 verabschiedet werden, da anderenfalls im nächsten Jahr aufgrund von Vereinbarungen Italiens mit der EU eine Mehrwertsteuererhöhung von 22 auf 25 Prozent drohe.

Zur großen Überraschung der italienischen Öffentlichkeit legte dann noch einer einen Salto hin: Matteo Renzi, der frühere PD-Vorsitzende und Ministerpräsident des Landes. Er ist seit März nur noch Anführer des Minderheitsflügels in seiner Partei, der gegen den neuen Vorsitzenden Nicola Zingaretti opponiert. Dieser Flügel streute in den vergangenen Monaten immer wieder den Verdacht, Zingaretti suche den Dialog mit den Fünf Sternen. Unter dem Hashtag "Ohnemich" drohten Renzi und die seinen sogar mit der Parteispaltung, sollte sich die PD an die Fünf Sterne annähern.

Es fehlt nur ein kleines Detail

Doch gerade Renzi gehört ebenfalls zu denen, die bei Neuwahlen viel zu verlieren hätten. Die Mehrheit der PD-Senatoren und -Abgeordneten gehört zu seinem Parteiflügel, hatte er doch 2018 die Wahllisten seiner Partei zusammengestellt. Die meisten von ihnen hätten keine Chance, von Zingaretti wieder aufgestellt zu werden. Schließlich hat Renzi seine Position überdacht. Italien brauche eine "institutionelle Regierung", verkündet er jetzt, es gelte die "Orbanisierung Italiens" zu verhindern. Ganz wie Di Maio fordert er die Verabschiedung der Verfassungsänderung und des Haushalts 2020 – und das geht nur im Tandem aus Fünf Sternen und PD.

Zingaretti dagegen erklärte bis zum Montag, an Neuwahlen führe kein Weg vorbei. Eine Übergangsregierung gegen Salvini, die zudem noch einen Sparhaushalt verabschieden müsse, sei bloß dazu geeignet, Salvinis Chancen "zu verzehnfachen". Und zwei Tage lang schien es so, als könne es tatsächlich zur Parteispaltung, zum Auszug der Renzianer kommen, absurderweise diesmal, weil sie den Dialog mit den Fünf Sternen herbeisehnen. Renzi selbst jedenfalls dementierte entsprechende Gerüchte nicht.

Es war dann ausgerechnet einer der engsten Berater Zingarettis, Goffredo Bettini, der in einem Interview mit dem Corriere della Sera am Dienstag den Ausweg wies. Wieso bloß eine Übergangsregierung von wenigen Monaten?, fragt Bettini, wieso nicht eine Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode im fernen 2023? Für diesen Vorschlag kann sich jetzt auch Zingaretti erwärmen. Es fehlt nur ein kleines Detail. Was diese Regierung politisch zusammenhalten soll außer der gemeinsamen Aversion gegen Neuwahlen, spielt in der Diskussion bisher so gut wie keine Rolle.