Der Präsident des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung (INPE) ist nach einem Streit um dessen Bericht zur Regenwaldrodung entlassen worden. Ricardo Galvão hatte mehrfach die Satellitenauswertung seines Instituts verteidigt, die zeigt, dass im Juni 920 Quadratkilometer Regenwald im Amazonas verloren gingen – 88 Prozent mehr als im selben Monat des Vorjahres. Die Rodung im Juli lag demnach sogar 212 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.

Die Regierung des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro nannte die Angaben irreführend und warf der Weltraumagentur vor, im Dienste von ausländischen Umweltschutzorganisationen zu stehen. Die Veröffentlichung der Daten schade dem Bild Brasiliens und seinem Image in der Welt, sagte Bolsonaro, der seit Januar im Amt ist. Es gebe Mitarbeiter bei INPE, die Brasilien bewusst schaden wollten. Diese würden entlassen.

Umweltminister Ricardo Salles sagte, ein Teil der Abholzung habe bereits in weiter zurückliegenden Jahren stattgefunden. Sie seien aber erst jetzt in die Berechnung von INPE eingeflossen und hätten damit die Prozentzahlen aufgebläht.

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Galvão verteidigte sich, die Daten seien korrekt. Sein Vorgesetzter, der Wissenschaftsminister Marcos Pontes, habe ihm und INPE das Vertrauen ausgesprochen. Der Minister wisse, dass die Zahlen zuverlässig seien, sagte Galvão. Trotzdem werde er entlassen, da die Vertrauensbasis zwischen ihm und Bolsonaro zerstört sei. Galvãos Amtszeit lief eigentlich bis 2020. Es war zunächst unklar, ob er zurückgetreten ist oder entlassen wurde.

Präsident Bolsonaro betrachtet den Amazonas-Regenwald als wirtschaftlich ungenutztes Potenzial. Er kündigte bereits an, keine neuen Schutzgebiete im Amazonasgebiet auszuweisen und weitere Rodungen zuzulassen. Außerdem kürzte er das Budget für den Klimaschutz und baute die Schutzrechte für indigene Völker ab.

Umweltverbände kritisieren die Pläne, weil der Regenwald als CO2-Speicher für den internationalen Klimaschutz von großer Bedeutung ist. Die geplante Öffnung der Region für die wirtschaftliche Ausbeutung könnte das jüngste Handelsabkommen mit der EU gefährden. Nicht aber die Zusammenarbeit mit den USA: Präsident Donald Trump verkündete erst am Dienstag ein neues Handelsabkommen mit Brasilien und stufte das Land offiziell als wichtigen Verbündeten außerhalb der Nato ein, um den Export hochentwickelter Waffen zu erleichtern.