Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat deutsche Fördermittel für Waldschutz- und Biodiversitätsprojekte in seinem Land für verzichtbar erklärt. "Sie können das Geld einsetzen, wie sie es für richtig halten. Brasilien braucht es nicht", sagte Bolsonaro in Brasília in Reaktion auf Äußerungen der deutschen Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Schulze hatte dem Tagesspiegel gesagt, die Politik der brasilianischen Regierung im Amazonas lasse Zweifel aufkommen, "ob eine konsequente Reduzierung der Entwaldungsraten noch verfolgt wird". Erst wenn darüber wieder Klarheit herrsche, könne die finanzielle Förderung von Waldschutzprojekten in Brasilien fortgeführt werden. Schulze hatte zuvor entschieden, diese zu stoppen. Dem Bericht zufolge geht es in einem ersten Schritt um einen Beitrag von 35 Millionen Euro. Zwischen 2008 und 2018 wurden nach Angaben des Umweltministeriums rund 95 Millionen Euro für Klimaschutzprojekte in Brasilien bereitgestellt.

Unter dem rechtspopulistischen Präsidenten Bolsonaro hat sich die Zerstörung des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes massiv beschleunigt. Bolsonaro hatte große Flächen für die Landwirtschaft freigegeben und das Budget für Klimaschutz fast vollständig gestrichen. Auch stellt er den Schutz von Waldgebieten als Lebensraum und Kulturerbe der indigenen Bevölkerung infrage. Die gerodeten Flächen werden vor allem für den Anbau von Soja und für die Rinderzucht verwendet.

Brasilien - Jaír Bolsonaro bringt das Klima in Gefahr Der brasilianische Präsident Jaír Bolsonaro geht radikal gegen den Regenwald und seine indigene Bevölkerung vor. Das hat Auswirkungen auf den Klimawandel, erklärt Dagny Lüdemann.

Anfang des Monats hatte Bolsonaro den Chef des Weltraumforschungsinstituts INPE Ricardo Galvão nach einem Streit um das Ausmaß der Zerstörung im Regenwald gefeuert. Der INPE-Leiter hatte Bolsonaro "Feigheit" vorgeworfen, nachdem dieser öffentlich die Satellitendaten des Instituts infrage gestellt hatte. Der brasilianische Präsident hatte Galvão kürzlich durch einen linientreuen Militär ersetzt.

Laut INPE wurden im Juli in dem südamerikanischen Staat insgesamt 2.254 Quadratkilometer Wald abgeholzt. Im Juli 2018 waren es noch 596,6 Quadratkilometer. Das entspricht einer Zunahme von 278 Prozent.