Knapp eine Woche nach seiner Nominierung als Geheimdienstdirektor durch US-Präsident Donald Trump hat John Ratcliffe seine Kandidatur zurückgezogen. Ratcliffe werde von den Medien "sehr unfair" behandelt und habe sich deshalb entschieden, "im Kongress zu bleiben" statt solche "Schmähungen" über sich ergehen zu lassen, schrieb Trump am Freitag auf Twitter.

Trump kündigte an, spätestens zu Beginn der kommenden Woche bekannt zu geben, wen er nun für den Posten nominieren wolle. Er habe drei Kandidaten dafür im Kopf, die er sich genauer anschaue.

Am vergangenen Sonntag hatte er mitgeteilt, dass der bisherige Amtsinhaber Dan Coats seinen Posten am 15. August verlassen wird. Coats hatte in vielen sicherheitsrelevanten Fragen eine andere Meinung vertreten als der Präsident. So sagte er im Januar, dass der Iran seiner Einschätzung nach momentan nicht an Atomwaffen arbeite. Der Präsident widersprach und unterstellte den Diensten Ahnungslosigkeit. Außerdem warnte er mehrfach vor möglichen Hackerangriffen Russlands; Trump äußerte sich skeptisch dazu.

Mit dem texanischen Abgeordneten Ratcliffe nominierte Trump einen treuen Gefolgsmann als Nachfolger. Der 53-Jährige war erst vorletzte Woche dadurch aufgefallen, dass er den ehemaligen Sonderermittler Robert Mueller äußerst aggressiv zu seinen Ermittlungen in der Russland-Affäre befragt hatte.

Trump beklagt "Schmähungen" durch die Medien

Die Washington Post hatte gemeldet, Ratcliffe habe falsche Angaben zu seiner Vergangenheit als Staatsanwalt in Texas gemacht, um so seine Erfahrung auf dem Feld der nationalen Sicherheit aufzuhübschen. Die New York Times berichtete, intern hätten auch mehrere Republikaner Bedenken angemeldet, Ratcliffe sei zu parteipolitisch ausgerichtet für den Posten.

Ratcliffe selbst schrieb auf Twitter, er habe sich geehrt gefühlt durch das Angebot des Präsidenten. Er wolle aber nicht, dass eine Debatte über seine Personalie zu einer rein politischen und parteiischen Angelegenheit werde. "Deshalb habe ich den Präsidenten gebeten, jemand anderen als mich für diese Position zu nominieren."

Der Direktor der nationalen Nachrichtendienste hat die Aufgabe, die verschiedenen Geheimdienste der USA zu koordinieren und zu überwachen.