Die indische Regierung will die Ausgangssperre für die von Indien und Pakistan beanspruchte Region Kaschmir in den kommenden Tagen wieder aufheben. Dies berichtete der indische Fernsehsender NDTV unter Berufung auf den Staatsanwalt, der die Interessen der Regierung in einem mit der Sperre befassten Prozess vor dem Obersten Gericht vertritt. Nach Angaben weiterer indischer Medien sollen Schulen und Behörden ab Anfang kommender Woche wieder geöffnet sein.

In dem Prozess vor dem höchsten indischen Gericht geht es um eine Beschwerde von Anuradha Bhasin gegen die Restriktionen im Zusammenhang mit der Ausgangssperre in Kaschmir. Die Chefredakteurin der Kashmir Times hat auf Aufhebung der Beschränkungen für Medien geklagt. Auch ihre Anwältin Vrinda Grover teilte mit, dass die indische Regierung die Aufhebung der Ausgangssperre innerhalb weniger Tage versprochen habe.   

Die geteilte Region Kaschmir wird sowohl von Indien als auch von Pakistan beansprucht. Vor etwa zwei Wochen hatte die indische Regierung den bis dahin herrschenden Autonomiestatus der Region aufgehoben, ohne die Bevölkerung vorher zu informieren. Außerdem stationierte die Regierung Tausende Soldaten in das Himalaya-Gebiet, auch um Proteste gegen das Vorgehen der Regierung zu verhindern.

Seit dieser Entscheidung gilt eine Ausgangssperre für das von ihr verwaltete Gebiet Jammu und Kaschmir, Telefon und Internet sind seither blockiert. Die indische Regierung hatte die Verhängung der Ausgangssperre mit Sicherheitsbedenken in der überwiegend muslimisch geprägten Region begründet. Mit den Einschränkungen solle ein Ausbruch von Gewalt nach den Freitagsgebeten verhindert werden.

UN-Sicherheitsrat berät über Lage in Kaschmir

Beobachter gehen aber davon aus, dass Premierminister Narendra Modi mit der Aufhebung des Sonderstatus das Kaschmir-Gebiet stärker in das mehrheitlich hinduistische Indien integrieren will. Bisher hatte die hauptsächlich von Muslimen bewohnte Region unter anderem eine eigene Verfassung und weitgehende politische Kompetenzen.

An diesem Freitag soll sich der UN-Sicherheitsrat in New York hinter verschlossenen Türen mit der Lage in Kaschmir beschäftigen, heißt es aus Diplomatenkreisen. China hatte die Sitzung am Mittwoch beantragt. Thema dürfte dann auch die zunehmende Gewalt in der Region sein. Zuletzt töteten indische Soldaten nach Angaben Pakistans einen weiteren Soldaten. Die Inder hätten über die Demarkationslinie der umstrittenen Region gefeuert, twitterte der pakistanische Militärsprecher Asif Ghafoor. Die Zahl der Toten sei demnach innerhalb von 24 Stunden auf sechs gestiegen. Bereits am Donnerstag waren nach Militärangaben an der Grenze mehrere Soldaten und Zivilisten durch Beschuss aus Indien getötet worden.

Indien und Pakistan streiten seit mehr als 70 Jahren um die Region im Himalaya. Zwei Kriege wurden deswegen bereits geführt. Beide Atommächte beherrschen jeweils einen Teil von Kaschmir, ein weiterer Teil gehört zu China.