Im Streit um die Autonomie der indischen Region hat Pakistan den UN-Sicherheitsrat um die Einberufung einer Sondersitzung gebeten. Nach Informationen aus Diplomatenkreisen könnte das Thema noch in dieser Woche auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Der Entzug des Autonomiestatus für das Gebiet durch Indien berge eine "Gefahr für den Weltfrieden", schrieb der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi an das höchste UN-Gremium. Nicht nur in Kaschmir selbst, wo Zehntausende Soldaten eine Ausgangssperre überwachen, sondern auch an der Demarkationslinie zu Pakistan habe sich eine "ernste Situation" entwickelt, heißt es in dem Brief. Man wolle keinen Konflikt provozieren. Aber "wenn Indien erneut Gewalt anwenden will, muss Pakistan in Notwehr mit all seinen Möglichkeiten reagieren". Indien solle die Zurückhaltung Pakistans nicht mit Schwäche verwechseln, so Qureshi.

Auslöser der jüngsten Eskalation zwischen den beiden Atomwaffenstaaten ist die Entscheidung der Regierung in Neu-Delhi, dem von ihr beherrschten Teil Kaschmirs Sonderrechte zu nehmen und das vor allem von Muslimen bewohnte Gebiet ins überwiegend hinduistische Indien zu integrieren. Ohne die Bevölkerung vorher zu informieren, wurde der Region der Autonomiestatus entzogen, der ihr bislang unter anderem eine eigene Verfassung und Flagge sowie weitgehende Kompetenzen zugesichert hatte.

Dies ließ den Konflikt mit dem Nachbarland neu aufflammen. Pakistan stoppte den bilateralen Handel und wies den indischen Botschafter in Islamabad aus.

Seit mehr als 70 Jahren streiten die beiden Länder um die vollständige Kontrolle über die Himalaya-Region Kaschmir, von der beide Atommächte jeweils einen Teil beherrschen, ein weiterer Teil gehört zu China. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 haben sie bereits drei Mal Krieg um Kaschmir geführt. Vor einigen Monaten flog Indien erstmals seit dem Krieg 1971 Angriffe auf pakistanisches Gebiet.