China hat Diplomaten zufolge eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats wegen des Streits zwischen Indien und Pakistan um die Himalaja-Region Kaschmir beantragt. Die Volksrepublik, die zu den fünf Vetomächten des Gremiums zählt, unterstützt damit eine Forderung Pakistans. Auslöser ist die Entscheidung der indischen Regierung, dem von ihr beherrschten Teil Kaschmirs Sonderrechte zu nehmen und das vor allem von Muslimen bewohnte Gebiet ins überwiegend hinduistische Indien zu integrieren.

Nach Wunsch Chinas soll die Sitzung am Donnerstag oder Freitag hinter verschlossenen Türen stattfinden. Frankreich habe im Gegenzug auf eine weniger formelle Zusammenkunft des Rats in der kommenden Woche gedrungen. Nun müsse Polen, das derzeit den Vorsitz habe, versuchen, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Nach Angaben unter anderem von pakistanischer Seite gab es seit 1965 keine große Sitzung des Sicherheitsrats zu Kaschmir.

In einem Brief an den Sicherheitsrat hatte Pakistans Außenminister Shah Mehmood Qureshi am Dienstag geschrieben, der Konflikt berge eine "Gefahr für den Weltfrieden". Pakistans Premierminister Imran Khan warf Indien vor, Angriffe auf den pakistanischen Teil der Gebirgsregion zu planen; er drohte mit Vergeltung.

Die indische Regierung hatte der Region Jammu und Kaschmir Anfang vergangener Woche den Autonomiestatus entzogen, ohne die Bevölkerung des Gebiets vorher zu fragen oder sie zu informieren. Seither kontrollieren Tausende Soldaten das abgeriegelte Gebiet, eine Ausgangssperre ist in Kraft. Indien und Pakistan streiten sich schon seit mehr als 70 Jahren um die Himalaja-Region. Zwei Kriege wurden deswegen bereits geführt. Beide Atommächte beherrschen jeweils einen Teil von Kaschmir, ein weiterer Teil gehört zu China.