Bei Protesten in der indischen Kaschmir-Region gegen die umstrittenen Aberkennung ihrer Autonomierechte sind mehrere Menschen verletzt worden. Das bestätigte ein indischer Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. "Es gab ein paar wenige Verletzungen durch Schrotkugeln, die Leute wurden behandelt und dann zurückgeschickt", sagte der Sprecher.

Wann und wo genau die Demonstranten verletzt wurden und wie viele Verletzte es gab, ist nicht offiziell bekannt. Einem Bericht der Nachrichtenseite India Today zufolge protestierten am Freitag 10.000 Menschen in Srinagar, der Hauptstadt des Bundesstaates. Zwölf Menschen sollen danach wegen Verletzungen durch Schrotkugeln in Krankenhäusern behandelt worden sein.

Die indischen Behörden weisen weiterhin Medienberichte zurück, wonach es in den vergangenen Tagen im Kaschmir-Tal größere Proteste gegeben habe. Journalisten können dies wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit vor Ort kaum überprüfen.

Die indische Regierung hatte dem Staat Jammu und Kaschmir Anfang vergangener Woche den Autonomiestatus entzogen, ohne die Bevölkerung vorher zu informieren. Zehntausende Soldaten wurden in das Himalaya-Gebiet geschickt, um Proteste gegen das Vorgehen der Regierung in Neu-Delhi zu verhindern. Internet und Telefon sind seither blockiert. Es gilt eine Ausgangssperre. Laut dem Gouverneur der indischen Kaschmir-Region, Satya Pal Malik, sollen mehrere Einschränkungen – auch der Bewegungsfreiheit – nach dem indischen Unabhängigkeitstag am Donnerstag gelockert werden. Dies sagte er der Zeitung Times of India.

Die Autonomieregelung sicherte der indischen Kaschmir-Region unter anderem eine eigene Verfassung und weitgehende Kompetenzen zu. Mit der Neuregelung will Premierminister Narendra Modi die Region stärker in das mehrheitlich hinduistische Indien integrieren – viele Kaschmirer sind dagegen.

Pakistan warnt vor indischem Angriff und Gegenschlag

Der pakistanische Premierminister Imran Khan sagte den Einwohnern im indischen Teil Kaschmirs Hilfe im Kampf für ihr Selbstbestimmungsrecht zu. Zuvor hatte Pakistan den UN-Sicherheitsrat um die Einberufung einer Sondersitzung gebeten.

Außerdem warnte Khan vor einem möglichen Angriff Indiens auf den von Pakistan kontrollierten Teil Kaschmirs. Sein Land habe glaubwürdige Geheimdienstinformationen dazu, dass Indien womöglich einen Angriff starten könne, um von Menschenrechtsverstößen im indischen Teil abzulenken. Pakistan sei bereit zu einer Antwort, warnte Khan bei einem Besuch im pakistanischen Teil Kaschmirs.

Das pakistanische Außenministerium bestellte außerdem einen indischen Diplomaten ein, weil ein Zivilist durch Schüsse von indischer Seite in Kaschmir ums Leben gekommen ist. Der 38-jährige Dorfbewohner sei durch "einen nicht provozierten Bruch der Feuerpause durch indische Truppen auf der pakistanischen Seite von Kaschmir" ums Leben gekommen, gab das Ministerium bekannt. Es handelte sich um den ersten toten Pakistaner, seit Indien am 5. August den Sonderstatus aufgehoben hat.

Seitdem Britisch-Indien im Jahr 1947 unabhängig und in Indien und Pakistan geteilt wurde, streiten die beiden Länder um die Herrschaft über Kaschmir. Zwei Kriege wurden deswegen bereits geführt.