Der US-Senat hat Kelly Craft als neue UN-Botschafterin bestätigt. 56 Abgeordnete stimmten für Personalvorschlag von US-Präsident Donald Trump, 34 dagegen. Die Demokraten hatten die 57-Jährige zuvor mehrfach angegriffen. Sie halten die bisherige Botschafterin in Kanada für zu unerfahren und kritisieren deren enge Beziehungen zur Kohleindustrie.

Die frühere UN-Botschafterin Nikki Haley war Ende 2018 überraschend aus dem Amt ausgeschieden. Unter ihr hatten die USA einen Sparkurs eingeschlagen und sich vom Menschenrechtsrat der UN sowie der Bildungs- und Wissenschaftsagentur zurückgezogen. Seit Haleys Ausscheiden war der Posten unbesetzt. Trump hatte zwischenzeitlich Heather Nauert vorgeschlagen. Die damalige Außenamtssprecherin hatte ihre Kandidatur aber zurückgezogen. Jetzt wird Trumps zweite Wahl den Posten übernehmen.

Vor ihrer Zeit als US-Botschafterin in Kanada war Craft Unternehmerin im US-Bundesstaat Kentucky. Sie ist mit Joe Craft verheiratet, dem Vorstandsvorsitzende von Alliance Resource Partners, einem der größten Kohleproduzenten der USA. Beide sind Spender der Republikaner. Kelly Craft ist damit die erste Großspenderin, die den Spitzenposten einer Regierung vor den UN einnimmt. Im Wahlkampf 2016 unterstützte das Ehepaar Kandidatinnen und Kandidaten der Konservativen einem Bericht der Washington Post zufolge mit rund 1,5 Millionen US-Dollar. Laut der New York Times spendeten die Crafts insgesamt zwei Millionen US-Dollar für Trumps Wahlkampf und seine Amtseinführungszeremonie.

In Kohlefragen befangen

Bei einer Anhörung im Senat im Juni sagte die Diplomatin zu, sich bei UN-Klimaverhandlungen wegen Befangenheit heraushalten zu wollen, wenn es um Kohle gehe. Für Aufsehen sorgte Craft, als sie 2017 im Sender CBS sagte, sie glaube "beiden Seiten" in der Debatte über den Klimawandel. In ihrer Anhörung betonte Craft, Klimawandel stelle "ein echtes Risiko für den Planeten dar". Maßnahmen dagegen müssten alle Länder ergreifen, den USA dürfte keine übergroße Last aufgebürdet werden, die Jobs oder die Wirtschaft gefährden könnte. Craft sprach sich in der Anhörung zudem für Reformen bei den UN und für eine fairere Lastenteilung bei globalen humanitären Hilfsleistungen aus.

Trump hatte bereits im Februar angekündigt, Craft nominieren zu wollen. Er bescheinigte ihr damals, als Repräsentantin der USA in Kanada einen "ausgezeichneten Job" gemacht zu haben. Die Demokraten bemängelten hingegen bei Crafts Senatsanhörung, dass sie in ihrer bis dahin 20-monatigen Amtszeit als Botschafterin 300 Tage außerhalb Kanadas gewesen sei.

In Crafts Zeit als Botschafterin in Kanada fielen die Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta sowie der G7-Gipfel in La Malbaie, bei dem es zum Eklat kam, weil Trump seine Unterstützung für die Gipfelerklärung im Nachhinein zurückzog.

Viele Demokratinnen und Demokraten halten Craft für eine Fehlbesetzung. "Niemals in der Geschichte unserer Nation haben wir so eine unterqualifizierte Person für diesen kritischen Posten nominiert", sagte der Senator von New Jersey, Bob Menendez.