Angesichts der besorgten Reaktionen auf die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet hat sich Brasiliens Staatsführung Ratschläge aus dem Ausland verbeten. "Die brasilianische Regierung ist weiterhin offen für einen Dialog, der auf objektiven Daten und gegenseitigem Respekt beruht", twitterte Präsident Jair Bolsonaro. "Der Vorschlag des französischen Präsidenten, die Probleme des Amazonas auf dem G7-Gipfel zu diskutieren, ohne die Länder der Region zu beteiligen, lässt aber auf eine kolonialistische Denkweise schließen." 

Zuvor hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron angekündigt, das Thema auf die Agenda des Gipfels der führenden Industrienationen an diesem Wochenende in Biarritz zu setzen. "Unser Haus brennt. Wortwörtlich", schrieb Macron ebenfalls auf Twitter zu einem Foto des brennenden Regenwalds. Die Brände bedeuteten eine internationale Krise, so Macron. Er rief die Regierungschefs der G7-Länder auf, "diesen Notfall" als ersten Punkt beim Gipfeltreffen ab Samstag zu besprechen.

"Ich bedaure, dass Präsident Macron versucht, eine interne Angelegenheit Brasiliens und anderer Länder der Amazonasregion zum eigenen politischen Vorteil zu instrumentalisieren", schrieb Bolsonaro weiter. "Der sensationalistische Ton, mit dem er sich auf den Amazonas bezieht, löst das Problem nicht." Zudem warf er Macron vor, für seinen Tweet ein falsches Bild verwendet zu haben. Tatsächlich zeigt das Foto nicht die aktuellen Brände und ist schon Jahre alt. Es stammt vom US-Fotografen Loren McIntyre, der bereits 2003 starb.

Brasilien - Macron appelliert wegen Waldbränden an G7-Teilnehmer In Brasilien gibt es derzeit die stärksten Waldbrände seit Jahren. Der französische Präsident Emmanuel Macron will das Thema auf die Agenda des G7-Gipfels setzen. © Foto: Lauro Alves/AFP/Getty Images

Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Laut des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts INPE brachen im ganzen Land binnen 48 Stunden fast 2.500 neue Brände aus. Demnach gab es seit Jahresbeginn bereits mehr als 75.000 Waldbrände – ein Zuwachs von 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig. In der Region gibt es nur wenige Straßen, die Einsatzkräfte müssen sich deshalb mit Booten fortbewegen. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "zutiefst besorgt". "Inmitten der globalen Klimakrise können wir es uns nicht leisten, einer wichtigen Sauerstoffquelle und einem Ort der Biodiversität zu schaden", schrieb er auf Twitter.

Inzwischen leitete die brasilianische Justiz wegen der Feuer erste Ermittlungen ein. Im Bundesstaat Pará solle geprüft werden, warum der von Bauern angekündigte Tag des Feuers vor einer Woche nicht verhindert wurde, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Medienberichten zufolge hatten Farmer im Südwesten von Pará zuletzt in einer koordinierten Aktion große Flächen entlang einer Landstraße in Brand gesteckt, um Platz für neue Weideflächen zu schaffen.

Präsident Bolsonaro hatte zuletzt nahe gelegt, Umweltschützer hätten die Brände gelegt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und seine Regierung in ein schlechtes Licht zu rücken. "Jeder" könne hinter den Waldbränden stecken, wiederholte er seine Anschuldigungen später vor Journalisten. "Aber die Hauptverdächtigen kommen von den NGOs", fügte er hinzu. Naturschützer hingegen gehen davon aus, dass Farmer mit den Feuern neue Weideflächen erschließen. Sie könnten sich von Bolsonaro ermutigt fühlen, der sich für den Regenwald vor allem wegen dessen ungenutzten wirtschaftlichen Potenzials interessiert. Die Brände seien die Folge einer "Politik der Umweltzerstörung und der Unterstützung für die Agrarindustrie", sagte Camila Veiga vom brasilianischen Dachverband der Nichtregierungsorganisationen.