Das russische Außenministerium hat nicht nur die Berichterstattung der Deutschen Welle (DW) über die Massenproteste in Moskau, sondern auch eine entsprechende Reisewarnung der US-Botschaft als versuchte Einmischung bewertet. Ein Diplomat der Vertretung sei einbestellt worden, teilte das Außenministerium in Moskau mit.

Die US-Botschaft hatte im Internet vor den Protesten gewarnt und aus diesem Anlass den genauen Zeitpunkt und Lageplan der Kundgebung bekannt gegeben. Diese veröffentlichte Karte, so das Ministerium, komme einem "Aufruf zur Teilnahme" gleich.

Am Donnerstag hatte die Regierung bereits dem deutschen Auslandsrundfunksender Deutsche Welle einen Aufruf zur Teilnahme an der Demonstration vorgeworfen. "Solche Eskapaden der Medien" entsprächen nicht journalistischer Ethik und das Vorgehen des Senders sei unzulässig, hieß es in einer Mitteilung: "Die russische Seite behält sich im Falle einer Wiederholung das Recht vor, mit den geltenden nationalen Gesetzen zu reagieren."

Populäre Blogger unterstützen Opposition

Hintergrund ist die kurzzeitige Festnahme eines DW-Korrespondenten bei nicht erlaubten Protesten in Moskau am 27. Juli. Daraufhin hatte der Sender eine Protestnote an das russische Außenministerium geschickt. Das Ministerium betonte in einer Antwort jedoch, dass der Sender zur Protestteilnahme aufgerufen habe und der Mitarbeiter "selbst aktiver Teilnehmer der rechtswidrigen Handlungen" gewesen sei. Der Sender wies dies vehement zurück.

Seit mehreren Wochen gehen Tausende Menschen bei erlaubten und auch nicht genehmigten Aktionen für eine faire und freie Wahl zum Moskauer Stadtparlament am 8. September auf die Straßen. Die Opposition ist wegen angeblicher Formfehler nicht zugelassen. An den beiden vergangenen Wochenenden waren insgesamt mehr als 2.000 Menschen festgenommen worden, darunter einige Journalisten. Die Polizeigewalt gegen Demonstranten hatte international Kritik ausgelöst. Auch russische Menschenrechtler warfen der Polizei Verstöße vor.

Für diesen Samstag sind neue Protestaktionen geplant. Die Organisatoren rechnen mit einer der größten Massendemonstrationen seit 2011. Damals waren Zehntausende Menschen auf den Straßen, um gegen Manipulationen bei der Wahl des neuen russischen Parlaments zu demonstrieren. Nun riefen viele populäre Blogger zur Teilnahme auf. Erlaubt ist jedoch nur eine Kundgebung mit 100.000 Teilnehmenden.