Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat den jüngsten Raketentest seines Landes als Warnung an Südkorea und die USA bezeichnet. Es habe sich um eine "angemessene Warnung" angesichts des Militärmanövers der beiden Verbündeten gehandelt, sagte Kim nach Angaben der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Mit dem Abfeuern der Raketen sei die "Kriegsfähigkeit" der "neuartigen taktischen Lenkraketen" getestet worden.

Nordkorea hatte am Dienstag nach südkoreanischen Angaben zwei mutmaßliche Kurzstreckenraketen abgefeuert. Die Geschosse flogen rund 450 Kilometer weit und stürzten dann ins Meer. Es war bereits der vierte Raketentest Nordkoreas in weniger als zwei Wochen. Am Vortag hatten die USA und Südkorea gemeinsame Militärmanöver gestartet, die schon im Vorfeld für wütende Reaktionen Nordkoreas gesorgt hatten.

Ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums hatte den Test damit gerechtfertigt, die Manöver seien eine Verletzung der Friedensvereinbarung, die Südkorea und die USA mit dem Norden unterzeichnet hätten. Falls solche "feindlichen Militärübungen" weitergingen, könnte Pjöngjang einen "neuen Weg" anstreben, hieß es weiter, ohne Erläuterung, was das genau zu bedeuten hat. 

Atomgespräche mit den USA stocken

Die US-Regierung reagierte auf die neuen Waffentests gelassen. "Entscheidend ist, die Tür für Verhandlungen offen zu halten", sagte Verteidigungsminister Mark Esper. Der nationale Sicherheitsberater John Bolton erinnerte aber an Nordkoreas Versprechen, keine weiteren Interkontinentalraketen zu testen. Trump hatte bei den vorherigen Raketentests betont, dass Nordkorea zwar gegen UN-Resolutionen verstoße, nicht aber gegen seine Abmachungen mit Kim.

UN-Resolutionen verbieten Nordkorea, ballistische Raketen kurzer, mittlerer und langer Reichweite abzufeuern. Solche Raketen können konventionelle, chemische, biologische oder atomare Sprengköpfe befördern.

Kim und Trump hatten Ende Juni bei einem kurzen Treffen im Grenzort Panmunjom auf der koreanischen Halbinsel Arbeitsgespräche zur atomaren Abrüstung in der Region vereinbart. Experten gehen davon aus, dass die Waffentests intensiviert werden könnten, wenn kein Fortschritt bei den Atomgesprächen mit Washington gemacht werde.