Die Ibiza-Affäre und die Tatsache, dass ein Mitarbeiter des Bundeskanzleramts mehrere Festplatten vor dem Regierungswechsel hatte vernichten lassen, beschäftigen die Behörden in Österreich. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt nun auch noch wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung und des Vorwurfs der Gründung einer staatsfeindlichen Verbindung. Das geht aus einer Antwort des österreichischen Justizministeriums auf eine Anfrage der Partei Neos hervor, berichteten die Nachrichtenagentur APA und der ORF. Beide Vorfälle hatten für großes Aufsehen gesorgt: Die Ibiza-Affäre, die im Mai durch die Veröffentlichung eines für Vizekanzler Heinz-Christian Strache belastenden Videos ausgelöst worden war, hatte zum Bruch der rechtskonservativen Regierung von ÖVP und FPÖ geführt. 

Eine Verbindung zwischen den beiden Vorgängen könne nicht ausgeschlossen werden. Daher werde das Verfahren bis zu einer Klärung geführt, heißt es laut APA in der Antwort auf die Anfrage. Ermittelt werde ausschließlich gegen den damaligen Mitarbeiter des Bundeskanzleramts. Es gehe um die Vorwürfe des schweren Betrugs, der Sachbeschädigung und der Datenbeschädigung. 

Der Mitarbeiter des Kanzleramts hatte am 23. Mai – wenige Tage nach Bekanntwerden des folgenreichen Ibiza-Videos und kurz vor dem Misstrauensantrag der Opposition – fünf Festplatten von einer externen Spezialfirma vernichten lassen. Er soll dabei einen falschen Namen angegeben und nicht bezahlt haben. Nach einer Anzeige spürten die Ermittler den Mann im Umfeld des damaligen Kanzlers Sebastian Kurz auf.

Es ist unklar, was auf den Festplatten gespeichert war. Kurz hat mehrfach betont, dass er das Ibiza-Video nicht vor der Veröffentlichung durch den Spiegel und die Süddeutsche Zeitung am 17. Mai gekannt hatte. Es habe sich auch nicht auf den zerstörten Speichermedien befunden, hatten Kurz und sein Generalsekretär Karl Nehammer gesagt. Es habe sich um Druckerfestplatten gehandelt – und man habe das Video ja wohl nicht ausdrucken wollen, lautete die Argumentation.

Die Ibiza-Affäre war im Mai 2019 durch die Veröffentlichung eines Videos ausgelöst worden. Im Sommer 2017 hatten sich der damalige FPÖ-Vorsitzende und spätere Vizekanzler Heinz-Christian Strache und sein Parteifreund Johann Gudenus in einer Villa auf Ibiza mit einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte getroffen. Strache und Gudenus stellten ihr im Gegenzug für Wahlkampfunterstützung öffentliche Aufträge in Aussicht. Dabei sprachen sie von Möglichkeiten, Spenden an die FPÖ über parteinahe Vereine umzuleiten und so zu verschleiern.