Vor dem Hintergrund anhaltender Massenproteste der Demokratiebewegung in Hongkong hat die chinatreue Regierungschefin Carrie Lam Gesprächsbereitschaft geäußert. Lam kündigte eine "Plattform zum Dialog" an. Ihre Regierung und sie seien "entschlossen, zuzuhören, was die Leute uns zu sagen haben". Lam machte allerdings kein konkretes Angebot an die Protestbewegung. Es gehe um einen Dialog "mit Menschen aus allen Lebensbereichen".

Am Wochenende hatten in der früheren britischen Kronkolonie mit ihren 7,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern mehr als eine Million Menschen friedlich demonstriert. "Ich hoffe sehr, dass dies der Startschuss dafür war, dass die Gesellschaft zur Ruhe kommt und sich von Gewalt fernhält", sagte Lam. Die Proteste für Freiheit und Demokratie dauern bereits seit zweieinhalb Monaten.

Lam sagte, dass es eine Untersuchung der seit dem 9. Juni andauernden Proteste und der damit verbundenen Beschwerden gegen die Polizei geben werde. Diese solle jedoch von der Aufsichtsbehörde der Polizei und nicht, wie von Demonstranten gefordert, von einer unabhängigen Stelle durchgeführt werden.

Hongkong könnte in eine Rezession schlittern

Anders als in den Wochen zuvor kam es bei den Protesten am Wochenende nicht zu nennenswerten Ausschreitungen. Die Demonstranten bauten keine Barrikaden. Die Polizei verzichtete auf den Einsatz von Tränengas, was als Zeichen der Entspannung gewertet wurde. In dieser Woche soll es mit kleineren Protesten weitergehen. Für den 31. August riefen die Veranstalter zu einer neuen Großkundgebung auf.

Unter den Protesten leidet die Wirtschaft Hongkongs. Unter anderem bleiben Touristen weg. Das asiatische Finanzdrehkreuz könnte erstmals seit einem Jahrzehnt in eine Rezession schlittern. Zwischen April und Juni schrumpfte die Wirtschaft um 0,4 Prozent.