Hongkong - Demokratiebewegung löst Flugstopp aus Die Polizei in Hongkong geht weiterhin verstärkt gegen Demonstrierende vor. Der anhaltende Protest für Demokratie hat nun zur Einstellung des Flugverkehrs geführt. © Foto: AP Photo/Kin Cheung

Wegen der anhaltenden Proteste der Demokratiebewegung hat Hongkongs Flughafen sämtliche Abflüge, die noch nicht eingecheckt sind, für den Rest des Tages gestrichen. In einer Erklärung hieß es, dass zwar noch Flüge landen konnten, neue Starts aber verschoben wurden. Der Flughafenbetrieb sei durch die öffentliche Versammlung am Flughafen "ernsthaft gestört" worden, teilte der Flughafen mit. Täglich werden hier CNN zufolge mehr als 1.000 Flüge abgewickelt.

Im Laufe des Tages hatten sich erneut Tausende Demonstranten in der Abflug- und Ankunftshalle des Flughafens versammelt. Laut Behördenangaben waren es 5.000, die gegen Polizeigewalt und die Regierung protestierten. Sie werfen den Sicherheitskräften vor, zunehmend gewaltsam und mit unverhältnismäßigen Methoden gegen Demonstranten vorzugehen.  Im Flughafen hielten Aktivisten Schilder mit der Aufschrift "Hongkong ist nicht sicher" und "Schande über die Polizei" in die Höhe oder skandierten entsprechende Parolen. Sie zeigten auch Bilder von Polizisten, die mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen waren.

Am Wochenende hatte es in Hongkong am Flughafen und auf den Straßen der Stadt erneut Proteste gegeben. Die Polizei setzte in einem Bahnhof und mehreren Stadtvierteln Tränengas ein. Die Website Hongkong Free Press zeigte Aufnahmen einer Festnahme, an der sich offenbar auch als Demonstranten verkleidete Polizisten beteiligten. Der festgenommene junge Mann hatte eine blutende Wunde am Kopf und sagte, ihm sei ein Zahn abgebrochen. Die Polizei berichtete, Beamte seien durch Laserpointer und einen Molotowcocktail verletzt worden.

Bandagierte Gesichter aus Solidarität mit den Festgenommenen

Als Zeichen der Solidarität trugen viele der Demonstranten am Flughafen nun Augenklappen oder Bandagen im Gesicht. "Es wird immer gefährlicher, aber wenn wir jetzt nicht mehr rausgehen, wird unsere Zukunft beängstigender und wir verlieren unsere Freiheiten", sagte eine 22-jährige Aktivistin.

Unterdessen wird der Ton aus Peking unerbittlicher. Der Sprecher des für die chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau zuständigen Büros des Staatsrats verurteilte einzelne Angriffe mit Benzinbomben auf Polizisten während der vergangenen Proteste. "Radikale Demonstranten" hätten wiederholt Sicherheitskräfte mit "äußerst gefährlichen Gegenständen" angegriffen, sagte Yang Guang. Dies sei "ein schweres Gewaltverbrechen" und zeige "erste Anzeichen von Terrorismus".

Chinesischen Medienberichten zufolge entsandte das chinesische Militär gut zwei Dutzend gepanzerte Truppentransporter und andere Militärfahrzeuge nach Shenzhen, eine Stadt an der Grenze zu Hongkong. Dort sollten "groß angelegte Übungen" stattfinden, berichtete etwa die Global Times.

Menschen fordern demokratische Reformen

Seit zwei Monaten wird in Hongkong immer wieder protestiert, es kam auch mehrfach zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Einen Höhepunkt hatten die Demonstrationen am vergangenen Montag mit einem Generalstreik erreicht. Die Polizisten setzten dabei Tränengas und Schlagstöcke ein.

Auslöser für die Demonstrationen war ein Gesetzesentwurf zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China. Regierungschefin Carrie Lam hat das Gesetz mittlerweile zwar für "tot" erklärt. Die Demonstrationen haben sich aber zu einer breiteren Bewegung gegen die Regierung und das harte Vorgehen der Polizei entwickelt. Viele Menschen befürchten zudem zunehmenden Einfluss Pekings und fordern demokratische Reformen.

Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz "Ein Land, zwei Systeme" als eigenes Territorium autonom regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die Hongkonger das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit.