Im indischen Teil der umstrittenen Region Kaschmir hat es gewaltsame Konflikte Hunderter Demonstrierender mit der Polizei gegeben. Junge und alte Protestierende schwenkten nach den Freitagsgebeten in Srinagar grüne Fahnen als Zeichen des Islam. Sie riefen: "Stoppt den Völkermord in Kaschmir, Welt, wach' auf!" Manche Demonstranten warfen Steine und benutzten Latten und Wellblech als improvisierte Schilde. Wie ein AFP-Reporter vor Ort berichtete, setzten die Beamten Tränengas sowie kleinkörnige Munition ein. Berichte über mögliche Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Auch aus anderen Städten im Kaschmirtal wurden Zusammenstöße gemeldet. Regierungstruppen blockierten Straßen, die meisten Moscheen blieben geschlossen. Vor den Zusammenstößen in Srinagar hatte ein hochrangiger Behördenvertreter angekündigt, dass die Sicherheitsauflagen für Anwohnerinnen und Anwohner bald gelockert würden, die Telefonleitungen in Kaschmir am Freitagabend nach zwölf Tagen wieder freigegeben werden sollten und die Schulen am Montag wieder öffneten.

China gab Indien die Schuld an den neu aufgeflammten Spannungen in der Kaschmir-Region und hat die Regierung in Neu-Delhi kritisiert. Indiens Handlungen hätten auch Chinas Souveränität infrage gestellt und ein bilaterales Abkommen verletzt, sagte der chinesische UN-Botschafter Zhang Jun nach einer Sitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, die hinter verschlossenen Türen stattfand.

Die Regierung in Neu-Delhi hatte kürzlich den in der indischen Verfassung festgelegten Sonderstatus mit Autonomierechten für den Bundesstaat Jammu und Kaschmir, den indischen Teil Kaschmirs, gestrichen und eine Ausgangssperre in der Region verhängt. Der Bundesstaat soll zudem aufgeteilt und der unmittelbaren Kontrolle Neu-Delhis unterstellt werden.

Der wieder aufgeflammte Kaschmir-Konflikt reicht bis zur Unabhängigkeit des ehemaligen Britisch-Indien und der damit einhergehenden Abspaltung Pakistans im August 1947 zurück. Zweimal, 1947 und 1965, führten Indien und Pakistan Kriege um die mehrheitlich muslimische Region.

Bleibt es beim Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen?

1949 wurde Kaschmir von der UNO zwischen beiden Staaten aufgeteilt – beide beanspruchen die Region aber weiterhin zur Gänze. Das Vorgehen der indischen Regierung in Kaschmir in den vergangenen Wochen hat die Spannungen zwischen den Regierungen in Neu-Delhi und Islamabad deutlich verschärft. Die Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Freitag war die erste zum Kaschmir-Konflikt seit 1972.

Pakistans Außenminister Shah Mehmood Qureshi zufolge sprach Regierungschef Imran Khan am Freitag mit US-Präsident Donald Trump. Es habe eine "gute Diskussion" gegeben und beide hätten entschieden, "in ständigem Kontakt zu bleiben", sagte Qureshi in Islamabad. Trump hatte Ende Juli bei einem Treffen mit Khan gesagt, Indiens Regierungschef Narendra Modi habe ihn gebeten, im Kaschmir-Konflikt zu vermitteln. Indien wies die Angaben zurück.

Indiens Verteidigungsminister Rajnath Singh deutete unterdessen an, dass Neu-Delhi seine Selbstverpflichtung für einen Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen aufgeben könnte. "Indien hat sich streng an diese Doktrin gehalten. Was in der Zukunft passiert, kommt auf die Umstände an", schrieb Singh bei Twitter. Indien hatte sich 1999 dazu verpflichtet, in Konflikten nicht als erste Partei Atomwaffen einzusetzen. Das Nachbarland China hat sich einem ähnlichen Grundsatz verschrieben, Pakistan nicht.