Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte hat beste Chancen, sein eigener Nachfolger zu werden. Denn in den Konsultationen bei Staatspräsident Sergio Mattarella ist am Mittwochnachmittag deutlich geworden, dass sowohl das Movimento5Stelle – die Fünf-Sterne-Bewegung – als auch die Partito Democratico (PD) eine neue gemeinsame Regierungskoalition unter dem parteilosen Juristen Conte wollen.

Ein ebenso schnelles wie überraschendes Ende nimmt damit die Regierungskrise, die Matteo Salvini, Lega-Chef und bisheriger Innenminister, Italien mitten im August beschert hatte, um in schnellen Neuwahlen einen schnellen Sieg zu erringen und Italien dann mit der "ganzen Macht", so formulierte es Salvini, zu regieren. In diesem Ende sind M5S und die PD unter Conte an der Regierung, Salvini verweist es hingegen auf die Oppositionsbank.

Für Salvini war sein Erfolg eine ausgemachte Sache

An diesem Mittwoch brauchte die PD-Delegation beim Staatspräsidenten nur 20 Minuten, um ihre Bereitschaft kundzutun, das Koalitionsexperiment mit den Fünf Sternen unter einem Premier Conte zu wagen. Und genauso schnell war dann die Fünf-Sterne-Delegation unter ihrem Chef Luigi Di Maio mit ihrem Ja zu Conte und zu Koalitionsverhandlungen mit der PD. Dies ist die bittere Überraschung für Salvini: Er ging fest davon aus, dass Fünf Sterne und PD, einander bisher in Abneigung, ja Hass verbunden, nie und nimmer zueinander finden würden.

Italien - Fünf-Sterne-Bewegung und Sozialdemokraten einigen sich auf Koalition Die populistische Fünf-Sterne-Bewegung und die sozialdemokratische PD wollen gemeinsam Italien regieren. Guiseppe Conte soll weiter Ministerpräsident bleiben. © Foto: Alberto Pizzoli/​AFP/​Getty Images

Deshalb schien ein schneller Wahlsieg auch eine ausgemachte Sache. Hatte er nicht als Innenminister und rüder Kämpfer gegen Migranten – "Italiener zuerst!", "geschlossene Häfen!" – seine rechtspopulistische Lega von den bei den nationalen Wahlen im März 2018 erreichten 17 Prozent auf 34 Prozent bei den Europawahlen 2019 geführt, ja konnte er nicht bei den Meinungsumfragen Ende Juli 2019 sogar auf fast 40 Prozent zählen?

Eben diese Situation ist jedoch auch seinen Gegenspielern, dem bisherigen Koalitionspartner M5S und der bislang oppositionellen PD, allzu präsent. Vor allem die Fünf Sterne würden bei Neuwahlen riskieren, ihre Fraktionen im Abgeordnetenhaus und im Senat dezimiert zu sehen. 2018 holte das M5S knapp 33 Prozent der Stimmen, bei den Europawahlen waren es nur noch 17 Prozent.

Das dämpft gerade unter den erst vor eineinhalb Jahren gewählten Parlamentariern die Lust auf Wahlen im Herbst. Es genügte, dass der Fünf-Sterne-Gründer und Übervater Beppe Grillo die Parole ausgab, es gelte jetzt, die "neuen Barbaren" von Salvinis Lega zu stoppen, und alle Dämme brachen. Und auf der Seite der PD reichte es aus, dass der Ex-Parteichef Matteo Renzi, bisher der erbittertste Gegner des M5S, seinerseits erklärte, nur ein Bündnis mit den Fünf Sternen sei jetzt zum Wohl Italiens.