Die Justiz in Russland hat die Konten der Antikorruptionsstiftung von Alexej Nawalny sowie von einigen seiner Unterstützerinnen und Unterstützer eingefroren. Das teilte seine Sprecherin Kira Jarmisch mit. Seit vergangener Woche ermittelt die russische Justiz wegen des Vorwurfs der Geldwäsche gegen die Organisation des Kremlkritikers. Die Polizei durchsuchte auch Wohnungen von Nawalny-Vertrauten.

Die russische Justiz hatte am Samstag mitgeteilt, ein Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche gegen die Antikorruptionsstiftung des Kremlkritikers eingeleitet zu haben. Mitarbeiter von Nawalnys Stiftung hätten "eine große Geldsumme von Dritten bekommen", die "illegal" beschafft worden sei, teilten die Ermittler mit. Es gehe um eine Summe in Höhe von knapp einer Milliarde Rubel (13,8 Millionen Euro).

"Was wir jetzt sehen, ist der bisher aggressivste Versuch, uns zum Schweigen zu bringen", teilte Nawalny mit. Er werde sich nicht ergeben, Russland auch nicht verlassen und wolle seine Aktivitäten fortsetzen. Ziel der Aktionen sei es, Angst zu verbreiten. "Habt keine Angst davor, demonstrieren zu gehen", teilte er seinen Anhängerinnen und Anhängern mit.

Nawalnys Stiftung löst regelmäßig Ermittlungen im Zusammenhang mit dem dekadenten Lebensstil und Korruptionsvorwürfen gegen die russische Elite aus. Während die öffentlich-rechtlichen Medien diese weitgehend ignorieren, ist die Stiftung in den sozialen Medien sehr präsent. Ihre Veröffentlichungen erreichen dort eine enorme Reichweite. Ein Beitrag, der den russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew als Kopf eines Immobilienimperiums anprangert, wurde auf YouTube 31,5 Millionen Mal angeklickt.

Einer der prominentesten Kritiker Putins

Die Ermittlungen fallen in eine Zeit anhaltender Proteste für freie Kommunalwahlen in Moskau. In den vergangenen zwei Wochen hatten Tausende Menschen an nicht genehmigten Demonstrationen teilgenommen. Es gab fast 2.400 Festnahmen, die Behörden ermitteln wegen "Massenunruhen".

Der Oppositionspolitiker Ilja Jaschin, der bei der Wahl im September nicht antreten darf, wurde wegen der Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration für weitere zehn Tage inhaftiert. Für Samstag hat die Opposition erneut Proteste geplant.

Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, darunter auch die Organisation Amnesty International, verurteilten die "Gewalt gegen friedliche Demonstranten" während der jüngsten Proteste und forderten die russischen Behörden auf, Untersuchungen zum Vorgehen der Sicherheitskräfte einzuleiten.

Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Derzeit sitzt er eine Haftstrafe von 30 Tagen ab, nachdem er zu einem nicht genehmigten Protest aufgerufen hatte. Nawalny hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Demonstrationen organisiert, was ihm immer wieder kurze Haftstrafen einbrachte.