Portugal hat die Aufnahme von 35 Migrantinnen und Migranten angeboten, die vom Rettungsschiff Ocean Viking aus dem Mittelmeer gerettet wurden. Frankreich, Deutschland, Rumänien und Luxemburg seien ebenfalls bereit, einige der insgesamt 356 Geretteten aufzunehmen, erklärte die portugiesische Regierung. Portugal sei immer bereit, zu helfen, aber für die anhaltende Migration sei eine umfassende europäische Lösung nötig, hieß es.

Die Ocean Viking wird von Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée betrieben und hat zwischen dem 9. und 12. August vor Libyen überwiegend afrikanische Migrantinnen gerettet. Sie kann die traumatisierten Passagiere aber nicht in Italien oder Malta an Land bringen. Dies sei die "neue Normalität", sagte der Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen an Bord des Schiffs, Jay Berger. "Es ist eine komplette Schande. Es ist inhuman", sagte er.

Angst vor Libyen

Das Schiff mit einer angegebenen Kapazität von 200 Passagieren fährt zwischen der italienischen Insel Linosa und Malta und bleibt außer Sichtweite von Land, um die Geretteten nicht zu erregen. Die Lage an Bord sei beherrschbar, doch die Migranten hätten zunehmend Angst, dass sie nach Libyen zurückgebracht würden, wo viele gefoltert und eingesperrt worden seien, berichtete Berger per Satellitentelefon. Bislang hat es keine Spannungen oder medizinischen Notfälle gegeben, wie sie sich auf dem spanischen Rettungsschiff Open Arms ereignet hatten, das am Dienstagabend an der italienischen Insel Lampedusa anlegte.

Die Ocean Viking sei entschlossen, alle Gesetze einzuhalten, und beabsichtige nicht, "in irgendwelche Hoheitsgewässer irgendeines Staats" einzudringen", sagte Berger. Falls die Lage sich aber verschlechtere und zu einem Notfall werde, sei es die Entscheidung des Kapitäns, zum nächsten Hafen zu fahren.

Malta hat der Ocean Viking die Einfahrt in einen Hafen verweigert und Italien hat auf eine entsprechende Bitte nicht reagiert. Während das Schiff auf eine Einfahrterlaubnis warte, seien keine humanitären Rettungsschiffe im zentralen Mittelmeer unterwegs, sagte Berger. "Wenn wir nicht dort draußen sind und Leben retten, werden Menschen auf See sterben. Dies macht das Mittelmeer zu einem Friedhof." Dies zeige Gleichgültigkeit und einen Mangel an Anstand der EU-Mitgliedsstaaten, sagte Berger.