Polen will sich an der von den USA geführten Militärmission "Sentinel" (Wache) zum Schutz von Handelsschiffen im Persischen Golf beteiligen. Außenminister Jacek Czaputowicz kündigte "irgendeine Art polnischer Unterstützung" an, ohne konkreter zu werden. Die Situation im Persischen Golf, wo der Iran zuletzt mehrere Schiffe festgesetzt hatte, erfordere eine Reaktion, sagte Czaputowicz. "Das ist eine sehr ernste Lage, wir kooperieren mit unseren Partnern: den USA, Großbritannien."

Die Sicherheitslage auf der wichtigen Handelsroute durch die Straße von Hormus hat sich durch den Konflikt zwischen dem Iran und den USA deutlich verschlechtert. Die Bundesregierung hatte eine Beteiligung abgelehnt, weil sie die US-Strategie des "maximalen Drucks" auf den Iran nicht unterstützen will. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) wirbt nun für eine separate Beobachtermission der Europäischen Union.

Polen warnt vor "Spaltung" zwischen EU und USA

Czaputowicz kritisierte die Vorbehalte vieler EU-Partner gegenüber den USA. "Wir glauben, die Europäische Union sollte sich amerikanischen Argumenten gegenüber offener zeigen", sagte er. "Wenn es eine Spaltung zwischen der Europäischen Union und den USA gibt, ist das nicht gut für Polen und Mitteleuropa. Also versuchen wir, das transatlantische Bündnis zu erhalten und die Spaltung zu überbrücken." Es wäre sehr schlecht, wenn die USA ihr Interesse an Europa verlieren würden.

Von den Mitgliedern der EU hat sich bisher nur Großbritannien der US-Mission angeschlossen und zwei Kriegsschiffe in die Straße von Hormus geschickt, um britische Handelsschiffe zu eskortieren.

Czaputowicz hofft auf 1.000 zusätzliche US-Soldaten in Polen

US-Präsident Donald Trump will Polen Ende August besuchen. Er hatte angekündigt, 1.000 US-Soldaten aus Westeuropa nach Polen zu verlegen und droht, sie aus Deutschland abzuziehen, weil die Bundesregierung sich militärisch nicht genug engagiere. Czaputowicz sagte, er hoffe, bei Trumps Besuch Näheres zu diesen Plänen zu erfahren.

Der Iran hatte wiederholt Tanker in der Straße von Hormus festgesetzt. Zudem wurden mehrere Handelsschiffe angegriffen, wofür die US-Regierung ebenfalls die Regierung in Teheran verantwortlich machte, was diese bestreitet. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich verstärkt, seit Trump im Mai vergangenen Jahres den einseitigen Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen verkündet hatte. Die EU will das Abkommen retten.

Eine Gerichtsentscheidung in Gibraltar könnte die Lage nun entspannen. Gibraltar hat den mit iranischem Öl beladenen Supertanker Grace 1 freigegeben, wie das oberste Gericht des britischen Überseegebiets am Donnerstag bestätigte. Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den unter der Flagge Panamas fahrenden Tanker wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen an Syrien festgesetzt. Daraufhin hatten die iranischen Revolutionsgarden am 19. Juli in der Straße von Hormus den britischen Öltanker Stena Impero gestoppt.

Die USA hatten in letzter Minute versucht, die Grace 1 am Auslaufen zu hindern. Das Außenministerium in Washington teilte am Donnerstagabend mit, die Grace 1 habe die von den USA zur Terrororganisation erklärten iranischen Revolutionsgarden unterstützt. Besatzungsmitglieder des Schiffes könnten daher mit einem Einreiseverbot in die USA belegt werden. Das Ministerium warnte Mitglieder von Besatzungen anderer Schiffe in vergleichbaren Fällen, dass ihnen US-Visa entzogen würden.