Ein Jahr nach der Verurteilung der früheren südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye muss der Fall neu verhandelt werden. So hat es das Oberste Gericht des Landes entschieden. Park war im April vergangenen Jahres wegen Korruption und Machtmissbrauch zu 24 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Berufungsgericht verlängerte die Strafe um ein weiteres Jahr.

Das Oberste Gericht begründete die Aufhebung des Urteils nun damit, dass die Korruptionsvorwürfe in einem separaten Prozess hätten verhandelt werden müssen. Deshalb werde der gesamte Fall wieder an das zuständige Gericht in Seoul zurückverwiesen.

Dies könnte Medienberichten zufolge dazu führen, dass sich die bisherige Strafe von 25 Jahren Haft erhöht, weil Gerichte in Südkorea normalerweise nicht in allen Punkten die Höchststrafe verhängen, wenn sie in einem Prozess mehrere Anklagen gleichzeitig verhandeln.

Park boykottiert Prozess

Die heute 67 Jahre alte Park war im Dezember 2016 vom Parlament abgesetzt worden. Nachdem das Verfassungsgericht ihre Amtsenthebung im März 2017 bestätigt hatte, wurde sie festgenommen und später von einem Gericht schuldig gesprochen. Sie soll von mehreren Unternehmen illegal umgerechnet etwa 18 Millionen Euro erhalten oder zugesagt bekommen zu haben. Laut Staatsanwaltschaft ging es dabei vor allem um die drei südkoreanischen Konzerne Samsung, Lotte und SK.

Außerdem soll Park Geheimdokumente weitergegeben und kritische Beamte entlassen haben. Zusätzlich zu den 25 Jahren Haft wurde Park zu einer Geldstrafe von 20 Milliarden Won (etwa 15 Millionen Euro) verurteilt.

Park hat sich selbst stets als Opfer eines politischen Rachefeldzugs bezeichnet und weigerte sich seit Oktober 2017 an ihren Gerichtsprozessen teilzunehmen. Auch am Donnerstag war sie nicht im Gericht.