Syrische Regierungstruppen sind in eine der größten von Rebellen in der Provinz Idlib gehaltenen Städte vorgedrungen. Nach Luftangriffen und Artilleriebeschuss sei es den Bodentruppen mithilfe ihrer russischen Verbündeten nach einem Rückzug der Rebellen gelungen, in Stadtteile von Chan Scheichun einzuziehen, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Die Angaben der Beobachtungsstelle sind unabhängig schwer zu überprüfen. Ihr Vorsitzender Rami Abdel Rahman sagte: "Das ist ein entscheidender Sieg für die Regierungstruppen." Die größte Stadt im Süden der Provinz Idlib, Chan Scheichun, liegt an der strategisch wichtigen Straße von Damaskus nach Aleppo. Diese Straße führt auch durch Homs.  

Die USA forderten Syrien zur Mäßigung auf. "Das Assad-Regime und seine Verbündeten müssen zum Waffenstillstand in Idlib zurückkehren", teilte US-Außenamtssprecherin Morgan Ortagus mit. 

Einnahme von Chan Scheichun brächte Rebellen in schwierige Lage

Aktivistinnen und Aktivisten veröffentlichten in den sozialen Medien Videos, auf denen zu sehen ist, wie Dutzende Granaten auf die Stadt Chan Scheichun abgefeuert wurden. "Die Regimekräfte verfolgen eine Politik der verbrannten Erde, um Städte und Gemeinden unter Kontrolle zu bekommen", teilten sie mit. Rahman hatte vor wenigen Tagen gewarnt, dass auch die Rebellen im Norden der benachbarten Provinz Hama in eine schwierige Lage kommen würden, wenn die Regierungskräfte die Stadt einnehmen würden. "Entweder werden sie sich zurückziehen müssen oder bis zum Ende kämpfen, weil sie belagert werden."

Der Beobachtungsstelle zufolge wurden durch die Gewalt der vergangenen Tage im Süden von Idlib rund 25.000 Menschen vertrieben – meist in ländliche Gebiete im Norden, die Stadt Idlib und Gebiete nahe der Grenze zur Türkei. Die Vereinten Nationen hatten im Juli mitgeteilt, dass durch die Angriffe der syrischen Regierungstruppen zur Einnahme von Idlib seit April mehr als 400.000 Menschen vertrieben worden seien. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte erklärt, seit Beginn der Angriffe Ende April seien mehr als 900 Zivilistinnen und Zivilisten getötet worden, darunter 235 Kinder.