Syriens Regierung will nach dem Vorrücken ihrer Truppen in der syrischen Provinz Idlib einen Fluchtkorridor für Zivilisten öffnen. Dieser soll ermöglichen, den südlichen Teil der Region und den Norden von Hama zu verlassen, wo die Armee zuletzt mit Luft- und Bodenangriffen gegen Aufständische vorgegangen ist, teilte die staatliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf einen Vertreter des Außenministeriums in Damaskus mit. Die Angaben sind unabhängig schwer zu überprüfen. Unklar ist, wie viele Menschen sich noch in dem Gebiet aufhalten.

Die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad waren in die Stadt Chan Scheichun eingerückt, nachdem die Rebellen diese aufgegeben hatten. Bei dem Vormarsch schnitten sie einen Teil im Süden des Rebellengebiets um Idlib von der Außenwelt ab. 

Syrische Armee erzwingt Rückzug von Rebellengruppe

Die Region um Idlib im Nordwesten des Bürgerkriegslandes ist nach mehr als acht Jahren Bürgerkrieg das letzte große Rebellengebiet. Dominiert wird es von der Al-Kaida-nahen Miliz Hajat Tahrir al-Scham (HTS). Russland als Verbündeter Assads und die Türkei hatten sich auf eine sogenannte Deeskalationszone für Idlib geeinigt.

Ende April hatte Assad mit russischer Unterstützung eine Offensive auf nördliche Teile der Provinzen Hama und Idlib begonnen, was eine Massenflucht auslöste. Nach UN-Angaben flohen seit Ende April mehr als 400.000 Menschen aus dem umkämpften Gebiet. Die meisten von ihnen suchten Zuflucht in anderen Teilen von Idlib oder in Regionen unter Kontrolle der türkischen Armee. Insgesamt leben mehr als drei Millionen Menschen in Idlib, viele davon Vertriebene aus anderen Regionen Syriens.

Türkei, Russland und Iran planen Syrien-Gipfel

Die Präsidenten der Türkei, Russlands und des Irans wollen sich wegen der andauernden Kämpfe Mitte September zu einem Syrien-Gipfel treffen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan habe seine Kollegen Wladimir Putin und Hassan Ruhani am 16. September zu einem Treffen in die türkische Hauptstadt Ankara eingeladen, sagte sein Sprecher İbrahim Kalın. Die Staatsführer würden bei dem Treffen über die Situation in Idlib, die Bildung einer Verfassungskommission und die Fortsetzung des politischen Prozesses diskutieren, sagte Kalın.

Wegen der Offensive hatten sich die Spannungen zwischen den Ländern verschärft. Am Montag hatten syrische Kampfflugzeuge einen türkischen Armeekonvoi beschossen. Die Regierungen aus Ankara und Moskau warfen sich daraufhin gegenseitig vor, ihren Verpflichtungen nicht nachzukommen.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hatte zudem Syrien für die Offensive in Idlib kritisiert und eine Waffenruhe gefordert. Doch "weil das syrische Regime nicht an eine politische Lösung glaubt, strebt es nun eine militärische Lösung an". Die Regierung in Ankara kündigte an, dass die Türkei nicht die Absicht habe, den Beobachtungsposten in dem umkämpften Gebiet zu evakuieren. Insgesamt unterhält die Türkei zwölf solcher Posten.

Auch die USA hatten Syrien zur Mäßigung aufgefordert. "Das Assad-Regime und seine Verbündeten müssen zum Waffenstillstand in Idlib zurückkehren", teilte US-Außenamtssprecherin Morgan Ortagus mit.