Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat eine militärische Offensive der türkischen Armee im Norden Syriens angekündigt, falls sich der Aufbau einer "Sicherheitszone" im Grenzgebiet zur Türkei verzögern sollte. Erdoğan sagte am Samstag in Istanbul, es gäbe "keine andere Wahl" als "eigene Operationspläne" umzusetzen, wenn türkische Truppen das Gebiet nicht schon in den nächsten Wochen kontrollieren könnten.

"Wir haben nicht viel Zeit und Geduld, was die Sicherheitszone angeht", sagte er. Vergangene Woche hatte Erdoğan mit US-Präsident Donald Trump vereinbart, die "Kooperation" in der umkämpften Rebellenhochburg Idlib fortzusetzen, um "die Zivilisten zu schützen und neue humanitäre Krisen zu verhindern." Dazu fordert der türkische Staatschef schon seit Juli eine von der Türkei kontrollierte Pufferzone im Norden des Nachbarlandes und hat bereits mehrfach mit einem möglichen Einsatz des türkischen Militärs gedroht.

Anfang August einigte er sich mit Trump auf die Einrichtung der Zone, nachdem erste Gespräche darüber im Juli gescheitert waren. Seitdem wurde bereits eine gemeinsame Einsatzzentrale eingerichtet. Demnächst sollen gemischte Patrouillen aus türkischen und US-Militärs ihre Arbeit aufnehmen. Das Puffergebiet soll zwischen der türkischen Grenze und Stellungen der Kurdenmiliz YPG verlaufen, die exakte Größe des Gebiets wurde bisher aber noch nicht festgelegt. Erdoğan hofft Berichten zufolge auf einen 30 Kilometer breiten Streifen.

USA warnten Türkei vor Einmarsch in Nordsyrien

Die YPG gehören zu den wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen IS-Milizen in Syrien. Die Türkei betrachtet sie hingegen als militärischen Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und stuft sie dementsprechend als Terrororganisation ein. Seit 2016 ist die Türkei bereits mehrmals militärisch gegen die YPG vorgegangen. In den vergangenen Wochen ließ Erdoğan die Militärposten an der Grenze zu Syrien verstärken. Bei den Verhandlungen mit den USA Anfang August sagte US-Verteidigungsminister Mark Esper, ein einseitiger Einmarsch der Türkei sei inakzeptabel.

Auch mit Russlands Präsident Wladimir Putin sprach Erdoğan zuletzt über die Sicherheitslage im Norden Syriens. Die Präsidenten vereinbarten, ihre Aktionen in dem Gebiet zu koordinieren, ohne jedoch ein konkretes Vorgehen zu nennen. Während die Türkei im syrischen Bürgerkrieg wie der Nato-Partner USA die Rebellen unterstützt, ist Russland mit Syriens Präsidenten Baschar al-Assad verbündet. Zuletzt hatten sich die beiden Länder angenähert, als eine US-Lieferung von F-35-Kampfflugzeugen an die Türkei von den USA aufgehoben wurde, weil die Türkei das russische Luftabwehrsystem S-400 angekauft hatte. Zuvor hatten die USA einen Verkauf ihrer Luftabwehrsysteme an die Türkei wegen Erdoğans Syrien-Politik ausgeschlossen.