Ein türkischer Militärkonvoi ist in der nordsyrischen Provinz Idlib aus der Luft angegriffen worden. Laut einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums in Ankara wurden bei dem Bombardement drei Zivilisten getötet und zwölf weitere verletzt. Demnach war der Konvoi auf dem Weg zu einem der insgesamt zwölf Beobachtungsposten des türkischen Militärs in der Provinz Idlib.

Zunächst hatte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte über den Angriff berichtet. Demnach flogen syrische und russische Militärjets mehrere Angriffe auf die Kolonne, die nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP rund 50 Militärfahrzeuge umfasste, darunter Truppentransporter und mindestens fünf Panzer.

"Ein ungeheuerlicher Eingriff der Türkei"

Der Konvoi befand sich zum Zeitpunkt des Bombardements in der Nähe der Stadt Maaret al-Numan, rund 15 Kilometer nördlich von Chan Scheichun – eine der letzten verbliebenen Rückzugsgebiete der syrischen Aufständischen und ihrer auch teils islamistischen Mitkombattanten in Syrien. Die Stadt liegt an einer Hauptverkehrsstraße in der von Dschihadisten kontrollierten Region und verbindet die Hauptstadt Damaskus mit der Stadt Aleppo, die seit 2016 wieder unter Regierungskontrolle ist.

Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums sollte der Konvoi unter anderem "Nachschubrouten offenhalten und die Sicherheit unseres Beobachtungspostens sicherstellen". In syrischen Staatsmedien heiß es dagegen, die Türkei habe mit dem Konvoi – "mit Munition beladen" – Rebellen in der seit Kurzem wieder heftig umkämpften Stadt Chan Scheichun unterstützen wollen. Dies belege "ein weiteres Mal" die "Unterstützung terroristischer Gruppen" durch die Türkei, sei ein "Akt der Aggression" und ein "ungeheuerlicher Eingriff", zitiert die staatliche Nachrichtenagentur Sana einen Vertreter des Außenministeriums in Damaskus.

Türkei fordert Maßnahmen gegen Russland

Russland, die Türkei und der Iran fungieren in Syrien als Garantiemächte, unterstützen aber unterschiedliche Seiten in dem Konflikt. Während Russland und der Iran aufseiten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad stehen, unterstützt die Türkei Rebellen und will vor allem den Einfluss der Kurden im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei eindämmen.

Die Provinz Idlib wiederum ist die letzte Region, die noch größtenteils unter Kontrolle von arabischen Aufständischen gegen die syrische Führung ist. Zudem wird ein großes Gebiet mit Unterstützung der USA von Kurden beherrscht. Die Türkei unterhält in der Region zwölf sogenannte Beobachtungsposten. Russland und die Türkei hatten sich im vergangenen September auf eine Deeskalationszone und eine Pufferzone für die Region geeinigt. Die syrische Armee startete jedoch Ende April eine groß angelegte Offensive in dem Gebiet. Dabei wurden laut Beobachtungsstelle bereits mehr als 860 Zivilisten getötet. Etwa 400.000 Menschen wurden nach UN-Angaben durch die Kämpfe vertrieben.

Aus Ankara hieß es nach dem jüngsten Vorfall, man habe Russland zuvor über den Konvoi informiert. Der Angriff laufe deshalb den bisherigen Vereinbarungen sowie der Zusammenarbeit und dem Dialog mit Russland zuwider. Die türkische Regierung sprach von Maßnahmen, damit sich ein solcher Zwischenfall nicht wiederholt.