Israel verwehrt zwei demokratischen US-Kongressabgeordneten die Einreise. Die Regierung sei dagegen, die Abgeordneten Rashida Tlaib und Ilhan Omar wie geplant das Land besuchen zu lassen, sagte die stellvertretende israelische Außenministerin Tzipi Hotovely in einem Interview. Wer zu Boykotten gegen Israel aufrufe, müsse auch damit rechnen, nicht einreisen zu dürfen.

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte mit, es sei "klar geworden, dass sie eine Reise planen, deren einziger Anlass war, den Boykott zu stärken und die Legitimität von Israel zu negieren". In einem Tweet kündigte er kurz darauf an, Tlaib dürfe ihre Verwandten im Westjordanland besuchen. Dafür müsse sie aber darauf verzichten, während des Besuchs zu einem Boykott Israels aufzurufen. Die beiden Musliminnen gelten als ausgesprochene Kritikerinnen der Palästinenser-Politik Israels und hatten sich auch wiederholt mit Trump angelegt.

Trump lobt und verteidigt das Einreiseverbot

US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor getwittert, dass eine Einreiseerlaubnis "große Schwäche" zeigen würde. "Sie hassen Israel und alle Juden" und es gebe nichts, was die beiden von ihrer Haltung abbringen könne. "Sie sind eine Schande!" Schon seit längerer Zeit gehören Tlaib und Omar zu den demokratischen Abgeordneten, die der US-Präsident intensiv attackiert

Einige Medien deuten Trumps Tweet als Auslöser für das Einreiseverbot. Der israelische Botschafter in den USA, Ron Dermer, hatte noch im Juli erklärt, dass Israel keinem Mitglied des US-Kongresses die Einreise verwehren werde. Auch Netanjahu sagte nachträglich, es gäbe "keinen Staat in der Welt, der die USA und den US-Kongress mehr respektiert als der Staat Israel". Israel habe bisher 70 US-Abgeordnete beider Parteien "mit offenen Armen" empfangen.

Omar wurde mehrfach Antisemitismus vorgeworfen

Die beiden Politikerinnen hatten für das Wochenende Besuche in Israel und den Palästinensergebieten geplant. Sie wollten unter anderem den für Juden und Muslime heiligen Tempelberg in Jerusalem besuchen. Palästinensische Repräsentanten sollten sie dabei begleiten. Auch wurden die Abgeordneten in den Städten Bethlehem, Hebron und Ramallah im besetzten Westjordanland erwartet.  

Tlaib und Omar unterstützen die internationale Kampagne BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) gegen Israel. Deren Anhängern kann seit 2017 die Einreise untersagt werden. Die israelische Regierung wirft BDS vor, antisemitisch zu sein.

Um Omar hatte es schon mehrfach Debatten gegeben: Ihr werden antisemitische Äußerungen vorgeworfen. Bei der Kritik an proisraelischen Lobbygruppen habe sie sich antisemitischer Vorurteile bedient. Sie hatte sich daraufhin entschuldigt. Nach einer Rede Omars vor dem Rat für Amerikanisch-Islamische Beziehungen (CAIR) Mitte März hatte der US-Präsident sie auf Twitter attackiert – und dadurch wohl auch gefährdet. 

Tlaib unterstützt eine Ein-Staaten-Lösung für Palästinenser und Israelis. Im Mai wurde sie nach einem Interview kritisiert, in dem sie sagte, ihre Vorfahren hätten einen "sicheren Hafen" für Juden nach dem Holocaust geboten. Sowohl israelische als auch palästinensische Wissenschaftler wiesen die Aussage zurück.