Neulich landete eine so merk- wie denkwürdige Mail in meinem elektronischen Postfach. Die Absenderin: Lara Trump, Senior Advisor, Donald J. Trump for President, Inc. Der Betreff: Did you see my husband’s email? Die Anrede: Friend.

Darauf folgt ohne weitere Umschweife das Anliegen: "President Trump noticed your name was missing from the most recent list of American Patriots who contributed to our July End-of-Month goal." Dem Präsidenten sei aufgefallen, dass mein Name auf der jüngsten Liste amerikanischer Patrioten fehle, die dazu beigetragen hätten, das Spendenziel seiner Kampagne für Ende Juli zu erreichen.

Im selben Stil ging es weiter: "Die Zeit läuft ab, Freund. Du warst immer einer unserer BESTEN Unterstützer, und das Team möchte dem Präsidenten nicht noch eine Liste schicken, auf der dein Name fehlt. Es sind nur noch ein paar Stunden bis zum Fristablauf um 23.59 Uhr heute Abend, und Präsident Trump baut auf deine Mithilfe. Bitte überweise 42 Dollar bis heute 23.59 Uhr, damit wir unser Ziel von 2.000.000 Dollar erreichen und du auf der nächsten Liste stehst, die der Präsident sieht. Wir werden jeden Betrag verdreifachen, der bis eine Minute vor zwölf bei uns eingeht."

Wer ist Lara Trump?

"Holy cow", schoss es mir durch den Kopf. Wer ist Lara Trump? Wie bin ich, ein deutscher Staatsbürger, auf ihre Liste von "American Patriots" geraten? Und überhaupt: Welchen Anlass sollte ich haben, für Donald Trumps Wiederwahl Geld zu spenden? 

Lara Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung des Präsidenten im vergangenen Mai © Drew Angerer/​Getty Images

Lara Trump, belehrt mich Wikipedia, ist die Schwiegertochter des Präsidenten, die Ehefrau seines Sohnes Eric, eine frühere Fernsehmoderatorin, Jahrgang 1982, die sich nun um die Finanzierung des Trump’schen Wahlkampfs kümmert. Ihre politische Einstellung entspricht dem engstirnigen Weltbild des Schwiegervaters. In Deutschland erregte sie im vergangenen Frühjahr Aufsehen, als sie verkündete, Merkels Flüchtlingspolitik habe zum "downfall of Germany" geführt, zum Niedergang Deutschlands. "Es ist das Schlimmste, was Deutschland je passiert ist. Der Präsident weiß das. Er versucht, Amerika vor einer ähnlichen Entwicklung zu schützen", behauptete sie. Es verwundert nicht, dass der homosexuelle Theologe David Berger, ein katholischer Ex-Kleriker, der sich als islamfeindlicher, rechtspopulistischer und AfD-affiner Blogger einen üblen Namen gemacht hat, die Präsidentenschwiegertochter damals in Schutz nahm.

But no, Lara: I am certainly not your friend and definitely not the friend of your father-in-law, auch wenn ich es mir nicht abgewöhnen kann, regelmäßig die toxischen Tweets des Mannes im Weißen Haus zu lesen, die er über seinen persönlichen Account und den offiziellen seines Amtes verschickt. Euer famoser Botschafter Richard Grenell hätte, kennte er sich in Deutschland besser aus, dem Wahlkampfteam leicht sagen können, was ich von Donald halte – nämlich nichts. Das ist seit drei Jahren in meinen 5vor8-Kolumnen nachzulesen. Nur ein paar beispielhafte Zitate: 

Erwartet keinen Beitrag von mir

All dem habe ich nichts hinzuzufügen. Donald Trump strotzt vor Selbstmitleid und Selbstüberschätzung, Grobschlächtigkeit und Kraftmeierei. Er hat sich nicht geändert und wird sich auch nicht mehr ändern. Man lese nur einen seiner Tweets vom vorigen Freitag: "Americans can do anything, go anywhere, and outperform anyone. Nobody can beat us. Nobody can stop us because winning is what Americans do."

Sorry, Lara, but don’t expect a contribution from me. Ich bin seit sieben Jahrzehnten, seit meinem Studium in Indiana und an der University of Chicago, ein eingefleischter, überzeugter Atlantiker und Freund Amerikas – des wirklichen Amerikas, das groß war, großherzig und großmächtig. Aber für das Amerika Donald Trumps habe ich nichts übrig. Not a red cent.

Als Journalist finde ich es überdies eine unverschämte Zumutung, dass ich für den Wahlkampf eines Präsidenten zahlen soll, der die seriöse Presse als fake news und enemy of the people beschimpft und alle unabhängigen Medien hasst. If he misses my name on your next End-of-Month donor list, you are welcome to tell him why my name will remain missing.