Nach den Anschlägen von El Paso und Dayton sind weitere Erkenntnisse über die Opfer veröffentlicht geworden. Unter den Toten soll auch ein deutscher Staatsbürger sein. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes bestätigte am frühen Dienstagmorgen die Angaben von El Pasos Polizeichef Greg Allen. Es blieb zunächst unklar, ob es sich um einen in den USA lebenden Deutschen oder einen Urlauber handelte.

Am Samstag hatte ein Schütze in El Paso bei einer offenbar rassistisch motivierten Tat das Feuer in einem Walmart eröffnet und 22 Menschen getötet. Er wurde festgenommen. In Dayton (Ohio) tötete ein Schütze am frühen Sonntagmorgen neun Menschen, darunter seine Schwester, und wurde von der Polizei erschossen.

Mit Blick auf die Tat kritisierten prominente Demokraten, US-Präsident Donald Trump ebne mit seiner eigenen Rhetorik den Weg für Hassverbrechen wie eben jenes. Barack Obama warnte vor hasserfüllter Rhetorik. Eine Sprache, "die ein Klima der Angst und des Hasses befeuert oder rassistische Meinungen normalisiert", müsse zurückgewiesen werden, sagte der ehemalige Staatschef in einer Stellungnahme. Obama nannte seinen Nachfolger Donald Trump nicht beim Namen. Er kritisierte aber ausdrücklich Politiker, die "jene dämonisieren, die nicht wie wir aussehen, oder suggerieren, dass andere Menschen, darunter Einwanderer, unseren Lebensstil bedrohen, oder andere Menschen als Untermenschen bezeichnen oder andeuten, dass Amerika nur einer bestimmten Art Menschen gehört".

Trump hat die Eindämmung illegaler Einwanderung über die US-mexikanische Grenze zu einem Kernpunkt seiner Präsidentschaft gemacht. Seit Längerem werfen ihm Kritiker vor, mit seiner aggressiven Rhetorik – vor allem gegen politische Gegner – den Rassismus im Land zu befeuern.

Das Klima des Hasses werde durch "die Sprache einiger unserer Führer genährt" und normalisiere rassistische Vorurteile, schrieb Obama in seinem Statement, das er auch bei Twitter veröffentlichte. Die überwältigende Mehrheit der US-Bürger guten Willens müsse klarmachen, dass es für es so etwas keinen Platz in der Politik und im öffentlichen Leben des Landes gebe. Sie seien nicht hilflos. 

Obama schrieb, die verunglimpfende Ausdrucksweise sei nicht neu. Sie habe zum Holocaust, zum Völkermord in Ruanda und zu ethnischen Säuberungen auf dem Balkan geführt. Er verglich das Massaker von El Paso mit Anschlägen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Noch sei nicht völlig klar, aus welchen Motiven der mutmaßliche Täter gehandelt habe, doch es gebe Hinweise, dass er sich einer rassistischen Ideologie angeschlossen habe. "Wie die Anhänger des IS oder anderer ausländischer Terrororganisationen mögen diese Personen allein handeln, doch sie sind durch weiße nationalistische Websites radikalisiert worden, die sich im Internet stark verbreiten", so Obama. Solche Leute fühlten sich verpflichtet, zu Gewalt zu greifen, um eine weiße Vormachtstellung zu verteidigen. Ohne Verschärfung der Waffengesetze, würden sich solche Tragödien wiederholen.

Trump hatte nach den Gewalttaten vom Wochenende Gesetzesänderungen gefordert, um sicherzustellen, dass psychisch Kranke, die eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen, nicht in den Besitz von Waffen kommen können. "Geisteskrankheiten und Hass ziehen den Auslöser, nicht die Waffe", sagte Trump. Zudem will er eine Gesetzesinitiative auf den Weg bringen, die die Todesstrafe bei Hassverbrechen in Form von Massenmord vorsehen würde.

Seit Jahresanfang hat es laut einer Statistik der Organisation Gun Violence Archive in den USA mehr als 250 sogenannte Mass Shootings gegeben, also Fälle, bei denen mindestens vier Menschen durch Schusswaffengewalt verletzt oder getötet wurden. Rechnerisch ist das mehr als ein solcher Fall pro Tag.