Es war, für ihn, eine ganz normale Woche im Büro.

Donald Trump sagte, er wolle den Dänen Grönland abkaufen. Die Dänen jedoch, die Grönland nicht verkaufen können, da das Kolonialzeitalter in ihrem Teil der Welt vorbei ist, lehnten höflich ab, und deshalb sagte Donald Trump eine Dänemark-Reise ab. Er erhob neue Strafzölle auf chinesische Waren, obwohl die bisherigen Strafzölle die Konjunktur abwürgen und der Weg der Weltwirtschaft in Richtung Krise und Rezession weist. Weil die Zentralbank Fed die Zinsen nicht senkte, fragte Trump, wer eigentlich der größere Feind sei, Chinas Präsident Xi Jingping oder Fed-Präsident Jerome Powell. Deutschland zahle keine Zinsen auf Schulden, Amerika aber sehr wohl, klagte er. Er beschimpfte, das gehört zum täglichen Programm, die Demokraten, die er für "Verlierer" hält, und die Medien, die er Fake-News nennt.

Ja, es war tatsächlich eine Woche wie alle anderen Wochen in Washington. Trump sagte, er denke über Steuersenkungen nach, sagte dann, Steuersenkungen seien nicht nötig, und dann, dass er für 2021 Steuersenkungen plane. Als ihn der Chef der National Rifle Association (NRA) anrief, um dafür zu werben, dass es doch nun wahrlich keine Verschärfung der Waffengesetze brauche, rückte Trump von seiner drei Wochen alten Ankündigung ab, die Waffengesetze zu verschärfen. Einen Tweet, in dem Trump "König Israels" und "Wiedergeburt Gottes" genannt wurde, retweetete Trump. Danach stand er auf dem Rasen des Weißen Hauses, blickte in den Himmel und sagte: "I am the Chosen One" – "Ich bin der Auserwählte". Als er dafür kritisiert wurde, twitterte er, es sei selbstverständlich ein Witz gewesen. Dänemarks Regierungschefin übrigens sei "eine wunderbare Frau".

Und dann flog er nach Europa, zu den G7 in Biarritz. Nach Polen wird er weiterreisen, nicht aber nach Deutschland – natürlich nicht. Nur zum Hamburger G20-Gipfel kam er, musste er kommen, ansonsten meidet er Deutschland. Denn er mag Deutschland nicht, und zumindest was die politische Klasse in Berlin angeht, beruht dies auf Gegenseitigkeit.

Der Weg ist mühsam

Immer noch, nach knappen 1.000 Tagen Donald Trumps im Weißen Haus, fragt sich der Rest des Westens, fragt sich Europa, fragt sich die Bundesregierung, wie sie mit den neuen USA, den Vereinigten Staaten unter diesem Präsidenten umgehen sollen. Worauf können wir uns noch verlassen? Wie kann eine neue Amerika-Politik funktionieren?

Der Westen, so wie er vor Trump war, existiert nicht mehr. Der Zusammenhalt ist weg, das Vertrauen ist erodiert. Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas geben nichts oder wenig auf Aussagen aus dem Weißen Haus oder dem State Department, weil sie erfahren haben, dass dort schon morgen das Gegenteil gesagt werden kann. Im Auswärtigen Amt wissen diverse Fachleute auch nach zweieinhalb Jahren noch nicht, wen sie in Washington anrufen sollen, weil im amerikanischen Außenministerium so viele Zimmer leer stehen; und in den bewohnten Zimmern gibt es ständige Wechsel.

Auch die alten Umgangsformen existieren nicht mehr. Trump twittert über vertrauliche Gespräche, kündigt Verträge oder deren Ende nach Lust und Laune via Twitter an, und seine Leute kopieren ihn. Der Botschafter in Berlin, Richard Grenell, agiert zweifellos ein bisschen anders als andere Diplomaten und kommentiert deutsche Innenpolitik via Twitter. David Friedman, Botschafter in Israel, greift den Iran via Twitter an. Sicherheitsberater John Bolton beschimpft die Nato und natürlich Iran und Venezuela via Twitter. So wie der Boss zu agieren kann nicht schaden, das denken offenbar seine Unterlinge. Deshalb haben Tweets die alte internationale Politik ersetzt – über Twitter entsteht inzwischen Weltpolitik, oft zufällig, mitunter strategisch vorbereitet.

Wie kann nun Europa reagieren? Und wie sich also verhalten zu Donald Trump, der ja obendrein keinerlei Wertschätzung für Deutschland und Europa empfindet?  

50 amerikanische Abgeordnete kamen zur Münchner Sicherheitskonferenz im Februar, was als jenes Zeichen verstanden wurde, das es wohl sein sollte: Wir sind auch noch da, Trump ist nicht Amerika. Kanzlerin Angela Merkel hielt eine Rede gegen den Unilateralismus, und Amerikas Abgeordnete klatschten heftig. Dieser Weg ist mühsam: Deutschland kann Trump ignorieren und umgehen.