Russland hat nach dem umstrittenen US-Raketentest im UN-Sicherheitsrat vor einem neuen Wettrüsten gewarnt. Vize-UN-Botschafter Dmitri Poljanski warf den USA zudem vor, "seit geraumer Zeit" gegen das mittlerweile ausgelaufene Abrüstungsabkommen für atomare Mittelstreckenraketen verstoßen zu haben. Dass die USA am vergangenen Wochenende so bald nach dem Abschied vom sogenannten INF-Vertrag einen Marschflugkörper erprobt hätten, sei Beweis, dass sie den Pakt verletzt hätten. Er sehe daher eine amerikanische "Heuchelei", sagte Poljanski. 

Der US-Diplomat Jonathan Cohen sagte, Russland und China würden von den USA Zurückhaltung bei der Rüstung erwarten, während sie selbst "unvermindert und unverfroren" Aufrüstung betrieben. Der US-Waffentest vom vergangenen Sonntag sei "weder provokativ, noch destabilisierend".

Atomarer Unfall in Russland

Im UN-Sicherheitsrat kam US-Diplomat Cohen auch auf den atomaren Unfall auf einem russischen Testgelände vor zwei Wochen zu sprechen. "Was genau ist am 8. August in Russland passiert? Was hat die Explosion verursacht, was für ein System war es, und welchem Zweck dient dieses System?"

Der Unfall mit fünf Toten hatte sich auf einer Plattform im Meer auf dem Testgelände Nyonoska ereignet, das rund 30 Kilometer von der Stadt Sewerodwinsk entfernt ist. Russland hat nur wenige Angaben zu der Explosion gemacht. Experten sehen das Unglück im Zusammenhang mit der Entwicklung einer atombetriebenen Rakete.

Die Sitzung im UN-Sicherheitsrat war auf Wunsch der russischen Regierung anberaumt worden. Russland reagierte damit auf den US-Test eines noch unter dem INF-Vertrag verbotenen Marschflugkörpers vor der kalifornischen Küste am Sonntag. Russland und die USA zogen sich am 2. August aus dem Abkommen zurück, nachdem sie sich gegenseitig vorgeworfen hatten, dagegen verstoßen zu haben. 

Der INF-Vertrag von 1987 zwischen den USA und der Sowjetunion hatte Atomwaffen mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern untersagt.