Die USA haben ihre Drohung, einen Teil ihrer Truppen aus Deutschland abzuziehen, verschärft. "Es ist wirklich beleidigend zu erwarten, dass der US-Steuerzahler weiter mehr als 50.000 Amerikaner in Deutschland bezahlt, aber die Deutschen ihren Handelsüberschuss für heimische Zwecke verwenden", sagte der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell. 

Die Botschafterin der US-Regierung in Polen, Georgette Mosbacher, hatte zuvor für Polen als neuen Standort geworben. "Polen erfüllt seine Zahlungsverpflichtung von zwei Prozent des BIP gegenüber der Nato. Deutschland tut das nicht. Wir würden es begrüßen, wenn die amerikanischen Truppen in Deutschland nach Polen kämen", schrieb sie auf Twitter. Präsident Donald Trump selbst hatte eine Truppenverlegung von Deutschland nach Polen im Juni bei einem Besuch des polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Washington als Option genannt.

Grenell stimmte den beiden zu. "Präsident Trump hat recht und Georgette Mosbacher hat recht", sagte er. "Zahlreiche Präsidenten haben die größte Volkswirtschaft Europas gebeten, für ihre eigene Verteidigung zu zahlen. Das ist eine Bitte, die sich über viele Jahre und viele Regierungen hingezogen hat." Nun sei man an dem Punkt angelangt, an dem die Amerikaner und der Präsident reagieren müssten.  

Kritik an Deutschlands Verteidigungsausgaben

Deutschland liegt bei den Verteidigungsausgaben trotz eines deutlichen Plus mit angestrebten 1,36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr weit unter dem Nato-Ziel von zwei Prozent. Die US-Regierung ist zudem darüber verärgert, dass Deutschland sich nicht an der US-Militärmission im Persischen Golf beteiligen will und keine Bodentruppen für den Anti-IS-Kampf in Syrien bereitstellt.

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, sagte dem Spiegel, die Drohung der USA sei völlig unangemessen. "Die Feldherrenpose nutzt sich ab", so Schneider. Deutschland lasse sich nicht erpressen. Grenell missachte offenbar bewusst den Beitrag, den die deutsche Soldatinnen und Soldaten in gefährlichen Auslandseinsätzen leisteten. "Oftmals in Ländern und Regionen, die auch durch die US-Politik der zurückliegenden Jahrzehnte destabilisiert wurden", sagte Schneider. Zudem verwies er auf die Erhöhung des Verteidigungsetats Deutschlands.

Deutschland ist derzeit mit 35.000 US-Soldaten das Land mit den meisten US-Truppen in Europa. Hinzu kommen 17.000 amerikanische und 12.000 deutsche Zivilisten, die vom amerikanischen Militär beschäftigt werden. Die Kommandozentralen für die US-Truppen in Europa und Afrika sind in Stuttgart, der wichtigste Luftwaffenstützpunkt der USA im rheinland-pfälzischen Ramstein und einer der größten Truppenübungsplätze Europas im bayerischen Grafenwöhr.  

Das angespannte Verhältnis zwischen Deutschland und den USA zeigt sich auch daran, dass Trump bei seinen anstehenden Europareisen keinen Stopp in Deutschland geplant hat. Er reist am 24. August zunächst zum G7-Gipfel in den französischen Badeort Biarritz. Dort wird er auch Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. Bei einer zweiten Europareise kurz darauf macht er aber wieder einen Bogen um Deutschland. Vom 31. August bis zum 3. September besucht er mit Dänemark und Polen zwei Länder, die politisch stärker an der Seite der USA stehen.