Der prodemokratische Aktivist Alaa Abd El-Fattah ist in Ägypten erneut festgenommen worden. Dies berichtet die Nachrichtenagentur AP und beruft sich dabei auf die Aussage seiner Mutter. Demnach war der Aktivist von Sicherheitskräften festgenommen geworden, als er auf Bewährung auf dem Polizeirevier Dokki in Kairo war. Dort musste er seit seiner Freilassung jede Nacht verbringen. Beamte hätten Fattah zu Staatsanwälten gebracht, erklärte ein Informant aus den Sicherheitsbehörden. Er werde verdächtigt, zu Protesten aufgerufen zu haben.  

Fattah war eine der Führungsfiguren der Massenproteste, die im Februar 2011 zum Rücktritt des Langzeitherrschers Hosni Mubarak geführt hatten. Ein Gericht hatte ihn 2015 verurteilt, weil er 2013 an Protesten gegen die Einschränkung des Demonstrationsrechts teilgenommen hatte. Die Proteste waren damals von der Polizei aufgelöst und Fattah mit seinen Mitstreitern verhaftet worden. Im März dieses Jahres war er nach fünfjähriger Haftstrafe vorzeitig auf Bewährung freigelassen worden.

Vor mehr als einer Woche hatte es in Kairo und mehreren Provinzen Proteste gegen die ägyptische Regierung mit Rücktrittsforderungen an den amtierenden Präsidenten Abdel Fattah al-Sissi gegeben. Es waren die ersten Massenproteste seit Jahren. Ausgelöst wurden sie von Korruptionsvorwürfen des im Ausland lebenden ägyptischen Geschäftsmanns Mohamed Ali.

Seit Wochen kritisiert Ali aus seinem Exil in Spanien in verschiedenen YouTube-Videos die Korruption der ägyptischen Militärführung. Demnach haben sowohl die ägyptische Armeeführung als auch Präsident Al-Sissi und dessen Frau öffentliche Gelder in Millionenhöhe veruntreut. Mit seiner auf Twitter zirkulierenden Aufforderung "Es reicht, Al-Sissi" hatte er die Ägypter aufgerufen, wieder auf die Straße zu gehen. Seither greifen die Behörden hart gegen Kritikerinnen und Kritiker durch. Anwälten zufolge wurden mehr als 2.000 Menschen festgenommen.