Durch Angriffe auf Wahllokale bei der Präsidentschaftswahl in Afghanistan sind drei Menschen getötet worden. Mindestens 24 weitere seien verletzt worden, teilten lokale Behördenvertreter mit. Bei der Explosion einer Mine in einem Wahllokal in der östlichen Provinz Nangarhar seien eine Person getötet und drei verletzt worden, sagte Provinzrat Sohrab Kaderi. Ein Wahlbeobachter wurde bei dem Einschlag einer Rakete in der Nähe eines Wahllokals in der nördlichen Provinzhauptstadt Kundus getötet, ein Polizist wurde verletzt. Das berichtete der Provinzrat Maulawi Abdullah. Bei Einschlägen von Mörsergranaten unweit von Wahllokalen in der östlichen Provinz Paktika, Paktia und Kunar seien ein Kind getötet, vier Kinder und zwei Erwachsene verletzt worden.

Zudem wurden mindestens 13 Zivilisten und Zivilistinnen und ein Polizist in der südlichen Stadt Kandahar verletzt, als in einer Moschee ein Sprengsatz detonierte. Nach Angaben eines Polizeibeamten war die Bombe in einem Lautsprecher der Moschee versteckt, die als Wahllokal genutzt wurde. Behördenangaben zufolge wurden in Kandahar seit dem Vorabend der Wahl mindestens 31 Sprengsätze von Sicherheitskräften entschärft oder kontrolliert gesprengt.

Auch aus der Hauptstadt Kabul gab es Berichte über kleinere Explosionen und Verwundete. Behördenvertreter wollten diese nicht kommentieren, man sammle noch Informationen.

Taliban greifen die Wahl an

Die Präsidentschaftswahl wird von mehr als 72.000 Soldaten, Polizisten und Geheimdienstmitarbeitern gesichert. Die islamistisch-militanten Taliban hatten angekündigt, den Wahlgang anzugreifen. Bereits während des Wahlkampfs hatten sie Anschläge verübt, bei einem sind 46 Menschen getötet worden. Fast ein Drittel der Wahllokale musste geschlossen bleiben. Von den 13,5 Millionen Wahlberechtigten haben sich 9,6 Millionen zur Wahl registriert; doch während bei der Präsidentschaftswahl 2014 rund 8 Millionen Menschen abgestimmt hatten, rechnen manche afghanische Experten damit, dass diesmal nur 1,5 Millionen Menschen ihre Stimme abgeben werden.

Auch Organisationsprobleme erschweren die Wahl. So konnten viele Wähler nach Berichten unabhängiger Wahlbeobachter ihre Stimme wegen mangelnder Wählerlisten nicht abgeben. Andere Namen seien nicht in den digitalen Listen der biometrischen Geräte zu finden, sagte der Chef der Wahlbeobachtungsorganisation FEFA Jusuf Raschid. Um Wahlfälschung vorzubeugen, sind Stimmen ohne biometrische Erfassung ungültig.

Aktivisten und Aktivistinnen, die der Kampagne des amtierenden Präsidenten Aschraf Ghani nahestehen, würden eine Wahlbeteiligung von 4 bis 4,5 Millionen für einen Erfolg halten, hieß es in der Analyse einer Kabuler Denkfabrik. Außer Ghani hat auch Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah Chancen auf den Wahlsieg. Das Ergebnis wird voraussichtlich am 7. November verkündet.

Einem Monat vor der Wahl brachen die USA Friedensgespräche mit den Taliban ab, nachdem Anfang September bei einem Anschlag in Kabul zwölf Menschen getötet worden waren, unter ihnen auch ein US-Soldat. US-Präsident Donald Trump erklärte die Gespräche mit den Taliban, die den Weg für einen US-Truppenabzug bereiten sollten, für "tot". Die Taliban kontrollieren mehr Territorien als zu irgendeinem Zeitpunkt seit ihrem Sturz durch die US-Invasion im Jahr 2001.