Eigentlich soll dieser Montag wieder ein Höhepunkt in der Regierungszeit der Klimakanzlerin werden. Denn heute bekommt Angela Merkel eine Bühne, auf der sie in der Vergangenheit immer brilliert hat und die sie – nun, da das Ende ihrer Kanzlerschaft naht – in Zukunft nicht mehr oft bekommen wird. Sie wird  in New York bei den Vereinten Nationen auftreten und über die Klimakrise sprechen: darüber, dass die Weltgemeinschaft gemeinsam mehr gegen diese Gefahr tun muss, und darüber, was Deutschland so alles tun will.

Eingeladen hat UN-Generalsekretär António Guterres. Ihn sorgt, dass weltweit viel zu wenig im Kampf gegen den Klimawandel geschieht, und so will er den Regierungen mit einem Sondergipfel mehr Druck machen. Reden dürfen deswegen in New York auch nicht, wie sonst üblich, alle Regierungschefs, sondern nur die, die die CO2-Einsparziele ihres Landes kürzlich erhöht haben und das mit einem Plan belegen können. Reden dürfen außerdem andere Menschen, die sich um den Umweltschutz verdient gemacht haben. 

US-Präsident Donald Trump ist also nicht dabei, Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro auch nicht. Stattdessen wird die Klimaaktivistin Greta Thunberg gemeinsam mit dem Generalsekretär die Konferenz eröffnen. Anschließend dürfen die Chefs von Unternehmen reden, die besonders viel für den Klimaschutz getan haben oder tun werden, sowie Klimaaktivisten und verschiedene Regierungschefs – darunter eben auch Angela Merkel.

Besser als Trump und Bolsonaro

Die interessante Frage ist nun: Schafft Merkel noch mal die Klimakanzlerinshow? In der Vergangenheit war es häufiger so, dass Merkel während solcher Konferenzen gefeiert wurde – selbst wenn Deutschland seine Klimaziele verfehlte. Auch diesmal hätte die Bundeskanzlerin das sicher gern so und sie hat hart dafür gearbeitet: Gerade rechtzeitig vor ihrem Auftritt hat sie das deutsche Klimakabinett am vergangenen Freitag nach einer Nachtsitzung noch dazu gebracht, ein neues Maßnahmenpaket zu vereinbaren. Mit dem wiederum will sie nun in New York punkten. Sie wird beispielsweise versprechen, dass Deutschland bis 2050 CO2-frei werden und mit dafür sorgen will, dass die durchschnittliche Temperatur nicht über zwei Grad steigen wird.

International gesehen ist das tatsächlich schon etwas – jedenfalls im Vergleich zu dem, was Trump oder Bolsonaro so tun. Doch klar ist eben auch: Was das Kabinett unter Merkels Leitung am Freitag nach einer Nachtsitzung aufgeschrieben hat, ist im Kampf gegen den Klimawandel zu wenig, um die deutschen Klimaziele in naher Zukunft zu erreichen, es kommt spät und es wird sehr teuer.

So jedenfalls haben es am Wochenende fast alle Kommentatoren gesehen – egal ob sie rechts, links, liberal oder grün argumentieren. So haben es auch die wissenschaftlichen Berater der Kanzlerin kommentiert. Sie kritisieren, dass die harten Entscheidungen, beispielsweise eine ausreichend hohe Steuer auf das Treibhausgas CO2, zu weit in die Zukunft vertagt wurden, wieder mal. Es ist es also, kurz gesagt, in Wahrheit nicht so toll, was Merkel in New York wird präsentieren können. 

Klimawandel - Was, wenn wir nichts tun? Waldbrände, Eisschmelze, Unwetter: Der Mensch spürt die Erderwärmung. Wie sieht die Zukunft aus? Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf erklärt unsere Welt mit 4 Grad mehr.

Die gleiche Show einmal zu oft

Geschehen kann nach ihrer Rede nun zweierlei: Ein Teil der Weltöffentlichkeit könnte der Bundeskanzlerin trotz alledem noch einmal für ihre Versprechen applaudieren – selbst wenn die bestenfalls ihre Nachfolger erfüllen werden. Diejenigen aber, die genauer hinschauen – und das sind nach den Fridays-for-Future-Demos des vergangenen Freitags jedenfalls in Deutschland sehr viele Menschen –, werden die Zusagen für die ferne Zukunft wahrscheinlich nicht mehr überzeugen.

Erstens hat sie schon zu oft etwas versprochen und zweitens sind andere inzwischen einfach besser, mutiger, ehrgeiziger. Andere vergleichbare Länder etwa sparen schneller CO2, aber auch Unternehmen gehen im Klimaschutz voran. Beispielsweise die 87 großen Konzerne, die am Montag in New York bekannt geben, dass sie sich nicht nur auf das Zwei-Grad-, sondern auf das 1,5-Grad-Ziel verpflichten.

Prognosen sind unsicher, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Und noch ist der Montag nicht vorbei, es gibt also noch eine kleine Chance, dass er doch ein guter Tag im Leben der einst gefeierten Klimakanzlerin sein wird. Größer aber ist die Wahrscheinlichkeit, dass es der Tag einer Regierungschefin wird, deren Methode nicht mehr viel Applaus bringt. Weil sie die gleiche Show einfach einmal zu oft gegeben hat.