Es war wieder einmal der erwartete Rundumschlag. Zum dritten Mal trat der US-Präsident am Dienstag vor die Vollversammlung der Vereinten Nationen – und wetterte wie auch im vergangenen Jahr gegen globale Eliten, China und Iran. Vor allem an die iranische Regierung richtete Donald Trump deutliche Worte. Das Land sei der "staatliche Sponsor Nummer eins" für Terror und habe "ein fanatisches Verlangen nach Atomwaffen und die Fähigkeit, sie zu erlangen".

Der US-Präsident entschied sich trotz dieser lautstarken Kritik an der iranischen Regierung dagegen, Iran zu drohen. Zwar deutete der US-Präsident an, dass die USA das mächtigste Militär habe, aber er sagte auch, dass er hoffe, dass wir "diese Macht hoffentlich niemals werden nutzen müssen". Die erst am vergangenen Freitag verschärften Sanktionen gegen Teheran will Trump aber aufrechterhalten.

Erneut empörte sich der US-Präsident über das von ihm gekündigte Atomabkommen. Mit Trumps Ausstieg im vergangenen Jahr hatten die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern begonnen. Im Juni schoss Iran über der Straße von Hormus eine US-Drohne ab. Trump wollte erst mit einem Luftangriff antworten, stoppte den Einsatz aber spontan.

In seiner Rede am Dienstag wirkte der US-Präsident nicht, als wolle er öffentlich einen Schritt auf Iran zumachen. Umgekehrt äußerte sich aber Irans Präsident Hassan Ruhani, dessen Rede erst für morgen geplant ist, zumindest ein wenig versöhnlich. "Ich bin bereit zu Beratungen über kleine Veränderungen, Zusätze oder Ergänzungen beim Atomabkommen, falls Sanktionen beseitigt werden sollten", sagte Ruhani vor Medienvertretern in New York. Das klingt zumindest nach einer kleinen Annäherung. 

Merkel punktet als Diplomatin

Dass es während des UN-Gipfels zu einem persönlichen Treffen der beiden Staatschefs kommt, ist jedoch unwahrscheinlich. Gerade für Ruhani wäre es in der Heimat schwer zu rechtfertigen, wenn er danach keine substanziellen Erfolge vorzuweisen hätte. Und Donald Trump ist nicht in Eile. Während die US-Sanktionen Iran effektiv vom internationalen Zahlungsverkehr ausschließen und Handelsbeziehungen zu anderen Ländern erschwert, haben die USA bisher kaum Nachteile aus Trumps unnachgiebiger Politik gezogen.

Trumps Rede am Dienstag dürfte wenig dazu beigetragen haben, die Spannungen zu reduzieren. Die Kraftmeierei, mit der Trump offenkundig seine außenpolitischen Interessen vertritt, dürfte es der Regierung in Teheran kaum erleichtern, auf dessen Gesprächsangebote einzugehen.

Doch es gibt ja noch Angela Merkel, die als Vermittlerin agieren könnte. Während die Bundeskanzlerin am Montag in einer lustlos wirkenden Rede beim UN-Klimagipfel die wenig ambitionierten Ziele ihres neuen Klimapakets präsentierte, konnte Merkel nun als Diplomatin punkten.