Tausende Demonstranten haben in Argentinien die Regierung aufgefordert, wegen der schweren Wirtschaftskrise den Nahrungsmittelnotstand auszurufen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration folgten einem Protestaufruf zahlreicher Verbände und Gewerkschaften und versammelten sich im Stadtzentrum von Buenos Aires. Viele von ihnen wollten zwei Tage lang auf der Prachtstraße Avenida 9 de Julio ausharren. Unter den Protestierenden waren auch viele Familien mit Kindern.

"Argentinien wird durch Untätigkeit, Hunger und Armut zugrunde gerichtet", sagte einer der Organisatoren der Proteste, Eduardo Belliboni. "Wir fordern Antworten, die der Situation angemessen sind. Wir wollen Sozialprogramme. Wir wollen eine Erhöhung der Gelder für die bestehenden Programme und eine Erhöhung der Essensrationen in den Schulen."

Bei einer zweiten Protestaktion vor dem Präsidentenpalast auf der Plaza de Mayo richteten Demonstranten eine Suppenküche ein. Am Rande der Proteste kam es auch zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Das argentinische Parlament berät heute über einen Gesetzesentwurf der Opposition, der die Ausrufung des "Nahrungsmittelnotstands" fordert. Menschen, die wegen der starken Inflation nicht mehr genug zu essen haben, sollen Hilfen bekommen. Die Regierung von Präsident Mauricio Macri lehnt den Vorschlag ab. Sie hat bereits andere Maßnahmen getroffen, unter anderem wurden die Steuern auf Grundnahrungsmittel gesenkt.

Seit 2018 befindet sich Argentinien in der Rezession. Mit mehr als 55 Prozent hat das südamerikanische Land eine der höchsten Inflationsraten weltweit. Zudem haben auch Arbeitslosigkeit und Armut zugenommen. In den vergangenen Wochen hatte sich die Lage zugespitzt, nach einer herben Niederlage für Macri bei der Präsidentschaftsvorwahl.