Der Iran hat laut der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) weitere Schritte zur Inbetriebnahme von neuen Zentrifugen zur Urananreicherung gemacht. Die IAEA schreibt in einem Bericht, dass die islamische Republik die Anfang September installierten Zentrifugen nun auch mit Uran nutzt oder zur Nutzung vorbereitet hat. Damit hat der Iran das 2015 in Wien ausgehandelte Atomabkommen in einem dritten Punkt gebrochen.

Damit setzt das Land die europäischen Vertragspartner Frankreich, Großbritannien und Deutschland weiter unter Druck. Sie sollen aus Sicht der islamischen Republik einen Weg finden, wie im Handel mit dem Iran die bestehenden US-Sanktionen umgangen werden können. "Leider zeigen die europäischen Staaten Unfähigkeit oder mangelnde Bereitschaft, wenn es um konkrete Aktionen geht", sagte Irans Präsident Ruhani. Es werde weitere Gespräche geben und er hoffe auf eine Lösung, sagte er. Für den Fall, dass die Europäer nicht zu ihren Versprechen stünden, drohte er aber gleichzeitig mit "weiteren Schritten".

Dem Iran war in dem Atomabkommen als Gegenleistung für den Verzicht auf Urananreicherung zugesagt worden, die Wirtschaftsbeziehungen zu normalisieren. Die USA stiegen jedoch im Mai 2018 einseitig aus dem Atomabkommen aus. Die Außenminister von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China, Russland und dem Iran halten weiter am Abkommen fest.

Die US-Regierung verfolgt seitdem eine Politik des maximalen Drucks, um die Führung in Teheran zu zwingen, ein neues Abkommen mit härteren Auflagen zu verhandeln. Der Iran wiederum erhöhte inzwischen seine Uranvorräte sowie den Anreicherungsgrad und setzte sich damit über das Abkommen, das den Bau einer iranischen Atombombe verhindern soll, hinweg. Zudem droht die Regierung in Teheran mit einer Behinderung des wichtigen Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus im Persischen Golf. 

Ruhani fordert Beweise

Ein Drohnenangriff auf Saudi-Arabiens Ölanlagen führte Mitte September zu einem weiteren Anstieg der Spannungen. Die USA machten umgehend den Iran verantwortlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britischer Premierminister Boris Johnson schlossen sich dem an. Es gebe "keine andere plausible Erklärung" für die Attacken. Ruhani forderte daraufhin Beweise.

Zu dem Angriff hatten sich die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen bekannt, die vom Iran unterstützt werden. Der Iran hatte die US-Vorwürfe strikt zurückgewiesen und den USA vorgeworfen, Lügen zu verbreiten und zur menschlichen Tragödie im Jemenkrieg zu schweigen, in dem Saudi-Arabien engagiert ist.