Die Popularität des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro hat einer aktuellen Umfrage zufolge durch sein Verhalten im Streit um die heftigen Brände im Amazonasregenwald gelitten. 38 Prozent der Brasilianerinnen und Brasilianer lehnten seine Politik und sein Verhalten ab, ergab eine Umfrage des Datafolha-Instituts im Auftrag der Zeitung Folha de São Paulo – fünf Prozent mehr als noch im Juli. Auch die Zahl der potenziellen Wählerinnen und Wähler, die mit der Politik des extrem rechten Präsidenten einverstanden sind, sei in dem Zeitraum von 33 auf 29 Prozent gefallen.

Brasilien - Jaír Bolsonaro bringt das Klima in Gefahr Der brasilianische Präsident Jaír Bolsonaro geht radikal gegen den Regenwald und seine indigene Bevölkerung vor. Das hat Auswirkungen auf den Klimawandel, erklärt Dagny Lüdemann.

Drei Viertel der Brasilianerinnen und Brasilianer (76 Prozent) finden das internationale Interesse an der Erhaltung des Amazonasgebiets legitim. Zugleich sehen aber 75 Prozent die Verwaltung des Regenwaldgebietes als eine nationale Aufgabe an. 35 Prozent sind der Meinung, dass ihre Regierung dabei auf die Ansichten ausländischer Regierungen hören sollte.

Hälfte der Befragten finden Umgang mit Bränden schlecht

Zwei von drei Befragten (66 Prozent) vertraten zudem die Ansicht, Brasilien solle zum Erhalt des Amazonas Hilfen aus dem Ausland in Anspruch nehmen. Bolsonaro hatte in der vergangenen Woche ein Soforthilfe-Angebot der G7-Staaten in Höhe von umgerechnet 18 Millionen Euro zurückgewiesen. Später lenkte er ein und erklärte, die Hilfe unter bestimmten Bedingungen akzeptieren zu wollen. 51 Prozent der Befragten sagten, Bolsonaros Umgang mit den aktuellen Bränden sei schlecht, 21 Prozent betrachten ihn als mittelmäßig und 25 Prozent als gut.

Brasilien erlebt derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Nach Angaben des staatlichen Weltrauminstituts gab es in diesem Jahr bereits mehr als 87.000 Brände – das ist die höchste Zahl seit 2010, als im gesamten Jahr mehr als 132.000 Waldbrände gezählt wurden. Mehr als die Hälfte der Brände schwelen im Amazonasbecken. Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Bolsonaro entließ den Chef des Weltrauminstituts, Ricardo Galvão, nach Veröffentlichung dieser Zahlen und sagte, die Behörde liefere der Presse falsche Daten. Damit spiele sie "das Spiel der Nichtregierungsorganisationen". Bolsonaro behauptete unter anderem, dass Nichtregierungsorganisationen (NGO) die Waldbrände gelegt haben könnten, um sich für die Streichung öffentlicher Mittel zu rächen und seine Regierung zu diskreditieren. Zudem gebe es weniger Brände als in den Vorjahren, das sage ihm "sein Gefühl". 

Nach Einschätzung von Umweltschützern stecken meist Farmer bereits abgeholzte Flächen in Brand, um neue Weideflächen für Rinder und Ackerland für den Soja-Anbau zu schaffen. Wegen der Trockenzeit greifen die Feuer aber auch immer wieder auf noch intakte Waldflächen über. Umweltschützer machen Bolsonaro dafür verantwortlich, dass Rodungen und Brände im Amazonasgebiet in diesem Jahr massiv zugenommen haben. Der Staatschef ist eng mit der brasilianischen Agrarlobby verbündet und hat Umweltschutzauflagen gelockert.

Tausende neue Brände trotz Rodungsverbot

Zuletzt hatte Bolsonaro dem öffentlichen Druck nachgegeben und per Dekret ein 60-tägiges Rodungsverbot angeordnet, das am Donnerstag in Kraft trat. Seitdem wurden auf Satellitenaufnahmen aber Tausende neue Brände entdeckt.

Wo es in Südamerika brennt

Messungen von Erdüberwachungssatelliten zeigen die Brandherde. Die Daten dazu wurden im Zeitraum vom 20. bis zum 26. August 2019 ermittelt.

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Unterdessen sagte Bolsonaro seine geplante Teilnahme an einem Amazonas-Gipfel zu den verheerenden Waldbränden ab. Der Präsident müsse sich auf einen medizinischen Eingriff in der kommenden Woche vorbereiten, sagte ein Regierungssprecher. Bolsonaro war während des Wahlkampfs vor einem Jahr niedergestochen worden und muss deswegen erneut operiert werden. Die Regierung in Brasília erwägt demnach, einen Stellvertreter zu dem Gipfel nach Kolumbien zu schicken oder um eine Verschiebung des Treffens zu bitten.