Die USA sind nach den Worten von Präsident Donald Trump zu einer Vergeltungsaktion für die Drohnenangriffe auf die saudische Ölanlage Abkaik und das Ölfeld Churais bereit. Es gebe "Grund zur Annahme, dass wir wissen, wer der Urheber" sei, schrieb Trump auf Twitter. Die USA stünden Gewehr bei Fuß, warteten indes noch auf Bestätigung sowie Angaben aus dem Königreich zur Ursache der Attacken – und "unter was für Bedingungen wir vorgehen" sollten. Alle Optionen – auch eine militärische Reaktion – lägen auf dem Tisch, teilte ein Regierungsvertreter mit.

Die US-Regierung hat den Iran für die Angriffe auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien verantwortlich gemacht. Außenminister Mike Pompeo schrieb auf Twitter: "Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Weltenergieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen." Der Iran hatte die Vorwürfe unterdessen zurückgewiesen. "Weil die US-Politik des maximalen Drucks auf den Iran gescheitert ist, sind die Amerikaner nun auf die der maximalen Lügen umgestiegen", sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi.

Am Sonntag hatte die US-Regierung indes Satellitenbilder publik gemacht, die mindestens 19 Einschlagspunkte an zwei saudischen Ölanlagen zeigen sollen. Die Aufnahmen zeigten Einschläge, die einem Angriff aus der Richtung entsprächen, in der sich der Iran oder Irak befinde, nicht aber der Jemen, erklärten Regierungsbeamte. Zusätzliche Gerätschaften, die offenbar nicht ihre Ziele erreicht hätten, seien sichergestellt worden und würden von saudischen und amerikanischen Geheimdiensten untersucht. Die Möglichkeit, dass die Drohnen vom Jemen abgefeuert und dann einen Schlenker gemacht haben könnten, schlossen die Gewährsleute nicht aus.

Zu dem Angriff mit zehn Drohnen hatten sich bereits die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen bekannt und weitere Angriffe angekündigt. "Wir versprechen dem saudischen Regime, dass unsere nächste Operation größer und schmerzhafter sein wird", sagte der Militärsprecher der Huthis, Jahia Saria. Saudi-Arabien führt seit Jahren einen Militäreinsatz gegen die Aufständischen in dem Nachbarland.

Fünf Prozent der weltweiten Ölversorgung sind von den Angriffen betroffen

Durch die Vorfälle im Königreich brach die saudische Ölproduktion um die Hälfte ein. Das tägliche Produktionsvolumen fiel um geschätzt 5,7 Millionen Barrel Rohöl, was mehr als fünf Prozent der weltweiten Versorgung entspricht. Die Angriffe schlugen auch auf die Ölpreise durch. An der Warenterminbörse Mercantile Exchange in New York legte der Preis für US-Rohöl am Montagmorgen um 5,61 Dollar je Barrel oder 10,2 Prozent auf 60,46 Dollar zu. Der Preis für die Sorte Brent kletterte um 7,84 Dollar je Barrel oder 13 Prozent auf 68,06 je Barrel.

Experten meinen, die langfristige Entwicklung der Ölpreise werde von der Dauer der Produktionsausfälle in Saudi-Arabien abhängen. Ein Drittel der Förderung soll bis heute wiederhergestellt werden, zitiert das Wall Street Journal einen saudischen Regierungsvertreter. Bis die Produktion wieder vollkommen laufe, dürfte es Wochen dauern.

US-Präsident Trump schrieb auf Twitter, er sei bereit, "bei Bedarf" US-Ölreserven zur Verfügung zu stellen. Über die Menge sei noch keine Entscheidung getroffen worden, doch werde sie ausreichen, um eine gute Versorgung der Märkte sicherzustellen.