EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen lässt ihre zentralen politischen Projekte für die nächsten fünf Jahre von drei sogenannten Exekutiv-Vizepräsidenten steuern: Der Sozialdemokrat Frans Timmermans soll für Klimaschutz zuständig sein, die Liberale Margrethe Vestager für Digitales sowie Wettbewerb und der Christdemokrat Valdis Dombrovskis für Wirtschaft und Soziales. Das teilte von der Leyen bei der Vorstellung der Kandidaten für ihre Kommission mit.

Timmermans und Vestager hatten sich bei der Europawahl selbst um die Spitze der EU-Kommission beworben. Stattdessen hatten die EU-Staats- und Regierungschefs überraschend die Christdemokratin von der Leyen als Präsidentin nominiert. In ihrem Bemühen um eine Mehrheit im Europaparlament hatte von der Leyen den Spitzenkandidaten der beiden anderen großen Fraktionen eine herausgehobene Rolle als Vizepräsidenten "auf Augenhöhe" versprochen.

Timmermans ist bereits seit 2014 Erster Vizepräsident der Kommission unter Jean-Claude Juncker und zuständig für Nachhaltigkeit und Rechtsstaatlichkeit. Vestager hatte sich in der Juncker-Kommission als Wettbewerbshüterin profiliert. Dombrovskis ist seit 2014 einer der Kommissionsvizepräsidenten, zuständig für den Euro. Vorher war er von 2009 bis 2013 lettischer Regierungschef.

Von der Leyen will "geopolitische Kommission"

Hinzu kommen fünf weitere Vizepräsidenten, die ressortübergreifend koordinierende Aufgaben wahrnehmen: Der Spanier Josep Borrell (Außenbeauftragter), die Tschechin Věra Jourová (Werte und Transparenz), der Grieche Margaritis Schinas ("Schützen, was Europa ausmacht"), der Slowake Maroš Šefčovič (interinstitutionelle Beziehungen) und die Kroatin Dubravka Šuica (Demokratie und Demografie).

"Ich möchte eine Kommission, die mit Entschlossenheit geführt wird, die sich auf die akuten Probleme konzentriert und Antworten liefert", sagte von der Leyen. Sie wolle "eine geopolitische Kommission", die sich "für eine nachhaltige Politik einsetzt". Die EU müsse dabei auch "Hüterin des Multilateralismus" sein.

Weitere wichtige Kommissarsposten gingen an den Österreicher Johannes Hahn (Haushalt und Verwaltung), den Belgier Didier Reynders (Justiz und Rechtsstaatlichkeit), den Iren Phil Hogan (Handel), den Italiener Paolo Gentiloni (Wirtschaft) und die Schwedin Ylva Johansson (Inneres) sowie den Polen Janusz Wojciechowski (Landwirtschaft). Die Französin Sylvie Goulard ist für den europäischen Binnenmarkt zuständig. Erstmals schafft von der Leyen nun auch einen Bereich "Verteidigungsindustrie und Raumfahrt", den gleichfalls Goulard leitet.

In der EU-Kommission stellt jeder Mitgliedsstaat einen Kommissar. Von der Leyens Team soll mit 14 Männern und 13 Frauen erstmals zu nahezu 50 Prozent weiblich sein. Ab Ende September müssen sich die Kandidatinnen und Kandidaten Anhörungen in den Fachausschüssen im Europaparlament stellen. Damit die Kommission am 1. November ihr Amt antreten kann, muss das Parlament die Kommission noch als Ganzes billigen.

Die EU-Kommission ist eine eigene Behörde, ähnelt aber einer Regierung mit verteilten Ressorts. Sie arbeitet mit einem Apparat von mehr als 30.000 Beamten, schlägt europäische Gesetze vor und achtet auf deren Einhaltung.